Musikalisch Top, Inszenierung ein Flop: „Pique Dame“ im Theater Aachen

Um Spielsucht und Liebessehnsucht geht es in der Oper "Pique Dame" von Peter Tschaikowsky. Das Theater Aachen bringt das große Sittengemälde in einer neuen Inszenierung von Ewa Teilmans auf die Bühne. Musikalisch ist es nicht zuletzt dank der überzeugenden Orchesterleistung unter der Leitung von Generalmusikdirektor Christopher Ward ein beeindruckender Opernabend, während die Regie nur wenig erhellend ist.

Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen

Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen

Puschkin lieferte die literarische Vorlage zu dieser Tschaikowsky-Oper. Es geht um die sich nicht erfüllen könnende Liebessehnsucht zwischen dem Soldaten Hermann und der jungen Lisa. Sie ist dem Fürsten Jeletzkij versprochen, dies hindert sie aber nicht daran, die Liebe Hermanns zu erwidern.

Hermann ist aber nicht nur ihr, sondern auch der Spielsucht verfallen und möchte unbedingt den Jackpot knacken. Dazu benötigt er aber die Namen der drei gewinnbringenden Karten. Dieses Geheimnis kennt aber nur die alte Gräfin, die Großmutter Lisas. In einer Traumszene verrät sie ihm die Kartenfolge, aber Hermann wird im Spiel gegen Jeletzkij letztendlich die Pique Dame statt des Ass hinlegen und das Spiel verlieren. In seinem Wahn erscheint ihm noch einmal die ihn verhöhnende Gräfin und Hermann kennt keine andere Lösung als den Suizid.

Das ist Drama pur, und das finden wir in jeder Note der opulenten Partitur. Christopher Ward geht das Werk dann auch mit Verve an, lässt die Streicher schwelgen, das Blech auch mal richtig triumphieren und die Holzbläser setzen dem Ganzen feine Farbtupfer auf. Das Drama strömt aufs Feinste, manchmal vielleicht ein wenig zu kräftig, aus dem Orchestergraben. Aber so ist dies auch von Tschaikowsky komponiert.

Leider setzt Ewa Teilmans mit ihrem Regieteam der Musik außer viele Farben und zahlreiche bunte Kostüme wenig Erhellendes gegenüber. Sie bevölkert gerne die Bühne, aber wenn es um das zwischenmenschliche Spiel der Protagonisten geht, spürt man kaum Nähe oder intensive Personenführung. Dies liegt vielleicht am gewählten Bühnenaufbau mit den geschwungenen grünen Wänden über zwei Ebenen. Da wird das vierte Bild, mit der Begegnung von Hermann und der Gräfin zum Höhepunkt der Inszenierung. Hier sind sie sich nahe und alles spielt auch nur auf einer Ebene.

Larisa Akbari und Cooper Nolan (Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen)

Larisa Akbari und Cooper Nolan (Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen)

Gesungen wurde am Premierenabend auf sehr beachtlichem Niveau. Der Tenor Cooper Nolan meistert die anspruchsvolle Partie des Hermann stimmlich mit Bravour, leider lässt die Regie ihn darstellerisch ziemlich auf sich selbst gestellt. Larisa Akbari entspricht mit feinem zartem Sopran perfekt der Rolle der Lisa und gleiches gilt für Fanny Lustaud als ihre Freundin Pauline. Dass Ewa Teilmans den beiden eine homoerotische Beziehung zuschreibt, ist nicht unbedingt schlüssig. Weiter gilt es Ronan Collett als Jeletzkij (NB bei einigen Aufführungen wird Fabio Lesuisse diese Rolle übernehmen), Hrolfur Saemundson als Graf Tomskij und Livia Budai als Gräfin hervorzuheben. Chor und Kinderchor des Theaters Aachen sind von Jori Klomp hervorragend vorbereitet.

Fazit: Musikalisch ist diese „Pique Dame“ ein echtes Erlebnis, von der Regie her weniger überzeugend. Schade. In diesem Monat wird die Produktion noch dreimal gegeben, weitere Vorstellungen im März, April und Mai.

Hans Reul