Hauch eines Echos: Vor 125 Jahren starb Adolphe Sax

Coleman Hawkins hat aus ihm herrlich pelzige Töne herausgezaubert. Weich und gleichzeitig durchdringend klangen die Interpretationen bei Charlie Parker. Mit dem Saxophon haben sich viele Musiker in den Jazz-Himmel gespielt. Erfunden hat das Blasinstrument Adolphe Sax, der vor 125 Jahren gestorben ist.

Saxofone bei einem Konzert

Illustrationsbild: Pixabay

Mit Jazz-Sessions, Sinfoniekonzerten und Opernaufführungen wird der geniale Musiker und Erfinder dieses Jahr in vielen Teilen der Welt gefeiert. So viel Ehre wurde dem Erfinder des Blasinstruments nicht immer teil. Sax starb am 7. Februar 1894 in Paris in ärmlichen Verhältnissen. Den Siegeszug seines Instruments erlebte der Belgier nicht mehr.

Sax wurde als Sohn eines Instrumentenbauers in Dinant geboren, lebte dort jedoch nur kurze Zeit. Denn sein Vater zog mit der Familie wenige Monate nach seiner Geburt nach Brüssel, wo er eine Werkstatt eröffnete. Dort begann Sax ein Studium am Konservatorium und half seinem Vater beim Reparieren und Tüfteln.

Das Kind sei für das Leiden bestimmt, erklärte seine Mutter kurz nach seiner Geburt. Damit hatte sie nicht ganz unrecht. Sax lag als Kind nach einem Treppensturz im Koma, wurde von einem herabstürzenden Dachziegel schwer verletzt und überlebte Vergiftungen mit Blei und Kupferoxid.

Früh schon entpuppte er sich als virtuoser Flötist und Klarinettist, weshalb er an beiden Instrumenten angeblich schon als 15-Jähriger herumbastelte. Er verbesserte den Klang der Bass-Klarinette durch zusätzliche Klappen und entwickelte Saxhörner, Saxtromben und Saxtuben. Das Saxophon erfand er für Freiluftkonzerte, weil er den „erbärmlichen Ton“ von Holzblasinstrumenten in tieferen Lagen verbessern wollte.

Erst wenig erfolgreich

Adolphe-Sax-Statue im Schloss von Beloeil (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Adolphe-Sax-Statue im Schloss von Beloeil (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Sax, der in Brüssel regelmäßig seine Erfindungen präsentierte, stellte sein glänzendes Horn dort bereits Anfang der 1840er Jahre vor. Doch die jüngste Neuentwicklung stieß nicht auf den erhofften Erfolg. 1842 zog er schließlich nach Paris, wo er 1846 sein Saxophon patentieren ließ.

Aber auch in der französischen Musikwelt stieß der belgische Emporkömmling auf viele Neider, die ihm die Erfindung streitig machten und ihn teilweise beschuldigten, Patente gefälscht zu haben. Dabei hatte er in dem französischen Komponisten Hector Berlioz einen seiner bedeutendsten Verfechter gefunden.

Berlioz schwärmte geradezu von dem Instrument: „Einmal tief und ruhig, dann träumerisch und melancholisch, zuweilen zart, wie der Hauch eines Echos“, schrieb er in einem Zeitungsartikel.

Dennoch wurde das Saxophon nicht in Orchester und Opernpartituren aufgenommen. Doch Sax war kampfeslustig und gab nicht auf. So zog das Saxophon in Frankreichs Militärkapellen ein und wurde bald von Soldaten in ganz Europa gespielt. Ab den 1920er Jahren tauchte es immer öfter in Jazz-Ensembles auf und wurde zum Symbol der Moderne.

Zu den ersten Musikern, die ihm zur Popularität verhalfen, gehörte Sidney Bechet. Der Musiker aus New Orleans war neben Louis Armstrong und Jelly Roll Morton einer der wichtigsten Solisten des frühen Jazz. Pop, Rock ’n‘ Roll, elektronische Musik und Klassik: Heute wird das Saxophon in den unterschiedlichsten Musikgenres verwendet. Zum 125. Todestag seines Erfinders erklingt sein Sound weltweit.

dpa/km

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