Vor 25 Jahren starb Frank Zappa

Hitparaden-Trends und musikalische Modeströmungen waren ihm gleichgültig. Frank Zappa kannte bei seiner Arbeit nur eine Richtlinie: den eigenen Geschmack. Und der war vielseitig und bunt. Der amerikanische Sänger, Komponist und Gitarrist experimentierte mit vielen Klangelementen, mischte sich aus Rock, Blues oder Jazz seinen unbeschreiblichen Stil zusammen. Seine heimliche Liebe galt jedoch zeitlebens der Neuen Musik.

Glasgow Murals, Frank Zappa

Bild: DPA

„Bei meinen Konzerten nehme ich gerne das Risiko in Kauf, Fehler zu machen. Es ist ein Privileg, etwas zu schaffen, das nur für den Moment existiert, einzigartig und unwiederholbar. Wenn ich ein Solo während eines Konzerts spiele, dann hat man das so vorher noch nicht gehört, und man wird es auch danach nie wieder so hören“, erklärte Zappa.

Frank Zappa war ein außergewöhnlich virtuoser Musiker. Er liebte Spontanität auf der Bühne, legte aber gleichzeitig auch großen Wert auf Perfektion. „Ich denke, dass er als ein genialer Komponist und Arrangeur gilt. Er hat immerhin fast alles in Noten aufgeschrieben. Er war einer, der Partituren schrieb. Er war einer, der sehr korrekt Sätze notierte, der sich sehr viel Mühe gab bei der Studiovorbereitung. Ich glaube, er ist ein Sinnbild für einen sehr akkuraten, gut vorbereitenden und sehr intensiv arbeitenden Musiker“, sagt der Bonner Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz.

Experimente

Frank Zappa wurde 1940 als Kind italienischer Einwanderer in Baltimore geboren. Der kränkelnde asthmatische Junge zeigte früh großes musikalisches Talent. Er fing mit Schlagzeug an und wechselte später zur Gitarre, spielte in Teenie-Rock-Bands und dirigierte das High-School-Orchester. Sein Interesse für Musik reichte vom elektrischen Blues eines Howlin‘ Wolf bis zu Komponisten wie Schönberg, Strawinsky oder Weber.

Für das Album mit dem ironischen Titel „We’re only in it for the money“ („Wir machen es nur des Geldes wegen“), das Zappa 1967 mit seiner legendären Band „Mothers of Invention“ aufnahm, experimentierte er mit Geräusch-Kollagen und nutzte Elemente aus Klassik, Rock, Jazz oder Psychadelic.

Ob mit fester Band oder mit seinen Solo-Projekten, Frank Zappa schwamm immer konsequent gegen den Strom und scherte sich nicht um Hitparaden-Trends oder den Geschmack der Massen. „Ich liebe es, das machen zu können, was ich will. Ich möchte mich mit meiner Musik niemandem aufdrängen. Nicht jeder muss meine Musik gut finden, denn ich mache sie ja nur für die Leute, die sie mögen. Für die Leute, die meine Musik nicht mögen, gibt es schließlich genügend andere Musiker.“

Als Privatmann war Frank Zappa ein treusorgender Familienvater, der Drogen und Alkohol aus dem Weg ging. Als Musiker war Zappa unkonventionell und brach gerne gesellschaftliche Tabus. Der pornographisch deftige Song „Bobby Brown“ wurde zum Skandal im prüden Amerika, aber auch zum größten kommerziellen Erfolg in Zappas riesigem musikalischem Vermächtnis.

Neue Musik

In seiner dreißigjährigen Karriere hat der Musiker mit dem markanten Ober- und Unterlippenbart über sechzig Langspielplatten aufgenommen und unzählige Konzerte gegeben. Doch seine große Leidenschaft gehörte immer der Neuen Musik.

Schon unheilbar an Prostata-Krebs erkrankt, konnte sich Zappa 1992 noch einen Traum verwirklichen und mit dem Frankfurter „Ensemble Modern“ sein aufwändiges Orchesterwerk „The Yellow Shark“ aufführen. Es ist die Abschlussarbeit eines Musikers, der zeitlebens vergebens versucht hatte, auch in Klassik-Kreisen Anerkennung zu finden.

„Diese Welt hat ihn nie anerkannt. Sie hat auch nie gesagt: Du bist einer von uns. Er hat im Prinzip alles getan, dass man als Pop-Musik-Hörer denkt, das ist doch E-Musik. Aber die E-Musik hat ihn nie als Ihresgleichen auch nur annähernd akzeptiert“, sagt Volkmar Kramarz.

Nur wenige Tage bevor Frank Zappa am 4. Dezember 1993 starb, gab er im US-Fernsehen noch ein sehr persönliches Interview. Von seiner schweren Krankheit gezeichnet, antwortete er auf die Frage, wie man ihn nach seinem Tod in Erinnerung behalten sollte: „Darauf lege ich keinen Wert – weder als Person noch als Musiker. Es sind Leute wie Reagan oder Bush, denen es wahnsinnig wichtig war, dass ihre Amtszeit in Erinnerung bleibt. Die haben dafür alles getan. Aber sie sind ein Musterbeispiel dafür, wie schrecklich Erinnerung sein kann.“

Alfried Schmitz

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