Nach 30 Jahren: „Evita“ wieder auf Tournee

Tausende Fans können in den nächsten Wochen und Monaten die bewegende Geschichte der charismatischen Eva Perón erleben.

Evita Peron

Evita Peron

Che Guevara vor einem Porträt der historischen Eva Peron

Che Guevara vor einem Porträt der historischen Eva Peron

In Dresden beginnt eine Tour des Erfolgsmusicals von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Nach der Preview folgt am 7. Juli die offizielle Premiere. Schon im Vorverkauf gingen 85 Prozent der Tickets für die 24 Aufführungen weg. An manchen Tagen wird «Evita» gleich zweimal gespielt. Nach dem Tournee-Auftakt gastiert das Ensemble mit Stars aus dem Londoner West End in diesem Jahr in Köln, Hamburg, Zürich, München und Frankfurt am Main. 2011 folgen Essen, Basel, Leipzig und Baden-Baden. Regisseur Bob Tomson sprach mit der Nachrichtenagentur dpa über das Stück.

Bob Tomson, 1978 wurde «Evita» das erste Mal aufgeführt. Und 30 Jahre später fasziniert der Stoff immer noch?

Tomson: «Eigentlich erstaunlich, nicht? Über die Jahre sind einige der Balladen eigenständige Klassiker geworden. Eine Menge europäischer und amerikanischer Künstler haben inzwischen populäre Coverversionen von „Don’t Cry For Me Argentina“ gesungen. Die jungen Leute glauben gar nicht, dass diese Nummer aus „Evita“ stammt!»

Seit fast 30 Jahren gibt es eine deutschsprachige Fassung davon. Das Publikum ließ sich nicht davon abbringen, das Stück zu mögen?

Tomson: «Ja, besonders das deutsche Publikum spricht darauf sehr gut an. Es ist diese Story der kraftvollen, charismatischen Frau, die aus bescheidenen Verhältnissen stammt und zum erfolgreichen Radiostar wird. Es gibt eine Menge Biografien, an die sie uns erinnert: Jacqueline Kennedy Onassis, Stéphanie von Monaco, Prinzessin Diana, eben diese starken Frauen, die ganze Nationen bezauberten. Die waren übrigens auch Stil-Ikonen. Und Eva Perón war die erste von ihnen.»

Bislang gab es nur zwei große englischsprachige Produktionen des Stoffes. Nun sehen wir eine dritte von Ihnen, die offenbar einen anderen Zugang sucht?

Tomson: «Ich hatte dazu ein langes Treffen mit Andrew Lloyd Webber und habe ihm gesagt, dass man die Story aus meiner Sicht anders aufziehen müsste. Es ist ja ein sehr episches Musical mit gewaltigen Volksszenen: Perón wendet sich da an 20.000 Menschen. Gleichzeitig hat der Stoff eine unglaubliche Intimität zwischen einem Mann und einer Frau, die mit Krankheit, mit dem Tod ringt. Ich sagte zu Andrew: „Ich glaube, das Publikum war bisher nicht wirklich ergriffen. Klar, sie waren beeindruckt, sie lieben die bekannten Songs. Aber sie kennen diese Frau nicht wirklich.“»

Und nun lernen wir Sie kennen?

Tomson: «Ich glaube schon. Die Zuschauer, die das Stück schon gesehen haben, waren überrascht, wie leidenschaftlich die Hauptdarstellerin agierte, wie lateinamerikanisch! Seien wir doch ehrlich: Britische Schauspieler sind cool, reserviert. Wir haben aber junge Schauspieler gefunden, die die Körpersprache haben, die die Schwüle, das Heißblütige, die Sexualität des Karnevals von Rio auf die Bühne bringen.»

Inwieweit hat die neue Produktion Neues zu bieten?

Tomson: «Wir sind da vor allem dem Kinofilm mit Madonna und Antonio Banderas verpflichtet. Das war eine große Herausforderung für uns: Wir mussten die Erzählgeschwindigkeit, die Wirksamkeit und Farbigkeit der Bilder an ihn anpassen. Das Publikum erwartete quasi auch „Naheinstellungen“. Als wir starteten, fragte ich Webber und Rice, ob wir da ein paar Änderungen machen könnten. Wir haben zum Beispiel den Song „You Must Love Me“, den Webber und Rice für den Film schrieben, in die neue Fassung eingebunden.»

Wie sieht es eigentlich heute mit dem Genre Musical aus?

Tomson: «Das Musical ist immer noch der King. Es regiert über 80 Prozent der Bühnen im West End und am Broadway. Durchkomponierte Musicals sind die modernen Opern! Oft sind die Inszenierungen aufregend und verschwenderisch. Das Publikum von heute, egal wie alt, hat die Nase voll vom Fernsehen. Es sind die Live-Events in jeder Form, die heute zählen, egal ob Oper, Tanz oder Schauspiel. Mehr und mehr Menschen wollen abends einfach auch mal chic ausgehen. Musical-Tickets sind ja nicht gerade preiswert. Wenn man sie trotzdem kauft, erwartet man zurecht eine Vorstellung, an die man sich lange erinnert.»

Philharmonie, Köln: 28.07 – 08.08. 2010
Colosseum Theater, Essen: 04.01. – 16.01. 2011

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Martin Morgenstern (dpa) - Bild: bb-promotion

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