„The Wire“ beste Fernsehserie des 21. Jahrhunderts

Egal ob Babylon Berlin, Game of Thrones, Sherlock oder neuerdings Squid Game: Für viele Menschen ist das Schauen von Serien ein echtes Hobby geworden. Und das Angebot nimmt dank Netflix, Amazon und anderen Anbietern täglich zu. Die BBC hat jetzt eine Hitparade mit den besten Serien des 21. Jahrhunderts veröffentlicht.

Fernsehe schauen mit Popcorn

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov

Für die Serien-Bestenliste hat der britische öffentlich-rechtliche Sender BBC 206 Fernsehkritiker aus 43 Ländern befragt. Auf Platz eins der Liste ist eine Serie gelandet, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat: „The Wire“.

Den ersten Platz verdankt „The Wire“ nicht den Zuschauerzahlen. Ein Quotenrenner war die Serie, die von 2002 bis 2008 gedreht wurde, nicht. Die Geschichte ist so vielschichtig und zum Teil auch komplex, so dass man nicht einfach mittendrin einsteigen kann. Und wer sie in der Originalversion schauen möchte, kann kaum ohne Untertitel folgen. In der Krimi-Drama-Fernsehserie wird kein feines Schulenglisch gesprochen, sondern der Straßenslang von Baltimore, der größten Stadt des US-Bundestaates Maryland, wo die Serie spielt.

Im Zentrum stehen der Drogenhandel und die Versuche der Polizei, über Abhörmethoden an die Hintermänner des Drogenhandels zu kommen. Deshalb auch „The Wire“, was zugleich „Kabel“, „Netz“ und „Abhörsystem“ bedeutet. Die Geschichte ist thematisch ziemlich zeitlos, auch wenn man in der Serie noch Tastentelefone und Telefonzellen zu sehen bekommt. Wer sich auf die Serie einlässt, der kann Eindrücke gewinnen, die er nicht so schnell vergisst.

Wie nah an der Realität ist die Geschichte?

Die Vorlage stammt von einem ehemaligen Polizeireporter, David Simon. Nicht wenige Schauspieler kommen aus Baltimore und haben sogar selber eine Drogenvergangenheit. Aber bei diesem Katz-und-Maus-Spiel der Ermittler muss man als Zuschauer nicht raten, wer denn jetzt der Bösewicht ist. Man lernt die Protagonisten und ihr Umfeld gleich kennen und kann ihnen dabei zuschauen, wie sie versuchen, im Alltag zurechtzukommen.

Dazu zählen auch die Verflechtungen der verschiedenen Verwaltungsebenen und Befehlsketten – mit aller Inkompetenz, die es da geben kann. Aber nicht nur auf Seiten der Polizei und des Bürgermeisters, sondern auch auf Seite des Drogengeschäfts, wo die Drogenbosse – fast wie normale Unternehmer – genauso bemüht sind, ihr kriminelles Geschäft aufrecht zu erhalten, während es so manchem Drogendealer auf der Straße an Ernsthaftigkeit fehlt, was dann wieder das Drogengeschäft in Gefahr bringt. Der Zuschauer sieht jedenfalls, wie schnell man die Karriereleiter herauf klettern, aber auch wieder herunter fallen kann.

Spannend ist die Serie auf jeden Fall. Mord und Totschlag gibt es auch. Aber es gibt auch viel Situationskomik, wenn Polizisten oder junge Drogendealer ihren Kollegen einen Streich spielen und so ihrem trostlosen Alltag ein wenig Farbe schenken.

Was der Serie neben aller Menschlichkeit aber wirklich gelingt, ist zu zeigen, welche Rolle soziale Umstände in der Weiterentwicklung eines Menschen spielen. Wenn ein Kind kein warmes Zuhause oder Anschluss in der Schule findet, dann wird das Drogenmilieu schnell zum Auffangbecken. Ein Auffangbecken für perspektivlose Kinder, die über den Drogenverkauf eine Möglichkeit finden, sich über Wasser zu halten.

Und wenn korrupte und gewalttätige Polizisten diese Kinder durch die Mangel nehmen oder gar ausrauben, dann finden die Polizisten, die es gut mit ihnen meinen, keinen Zugang mehr zu ihnen.

Fazit

Es gibt viele Serien, die stark starten und dann immer schwächer werden, weil sie sich wiederholen und eigentlich „auserzählt“ sind. The Wire schafft es dagegen, einen roten Faden zu haben und doch in jeder der fünf Staffeln eine neue Hauptbühne zu finden.

In der ersten Staffel lernen wir die Polizei und das Drogenmilieu kennen. In der zweiten Staffel stehen die Hafenarbeiter und die Gewerkschaften im Mittelpunkt, in der dritten Staffel der Bürgermeisterwahlkampf. In der vierten Staffel ist es das schulische Milieu, also wie Kinder und Lehrer in einer Stadt voller sozialer Brennpunkte und Gewalt zurechtkommen. In der letzten Staffel sind es die Medien. Es geht um eine Zeitung und darum, wie sie die Polizeiarbeit begleitet.

Es ist eine Serie, die in die Tiefe geht und sich nicht nur ein oder zwei Hauptdarsteller leistet, sondern ein ganzes Dutzend. Und jede Figur ist auf ihre Art interessant.

Hintergrund

Laut BBC soll man die Liste nicht zu ernst nehmen. Sie soll vor allem dazu anregen, über Serien zu diskutieren, und vielleicht ist ja die ein oder andere Entdeckung dabei.

  1. The Wire (2002-2008)
  2. Mad Men (2007-2015)
  3. Breaking Bad (2008-2013)
  4. Fleabag (2016-2019)
  5. Game of Thrones (2011-2019)
  6. I May Destroy You (2020)
  7. The Leftovers (2014-2017)
  8. The Americans (2013-2018)
  9. The Office (UK) (2001-2003)
  10. Succession (2018-)

Die kompletten Top 100 auf der Seite der BBC …

Manuel Zimmermann