Weltpressefoto 2021: „The First Embrace“ von Mads Nissen

Jedes Jahr wird ein Preis vergeben, der unter Fotojournalisten sehr beliebt ist: die Auszeichnung als Weltpressefoto. In diesem Jahr ist es ein ganz besonders emotionales Foto, das für den Preis ausgewählt wurde: "The First Embrace" des dänischen Fotografen Mads Nissen.

World Press Photo - Platz eins (Einzelbilder): "Die erste Umarmung" - Mads Nissen

Platz eins (Einzelbilder): „Die erste Umarmung“ – Mads Nissen

„Die erste Umarmung“ ist ein Symbolbild für die Corona-Zeit. Der dänische Fotograf Mads Nissen hat es in einem brasilianischen Pflegeheim aufgenommen.

Es zeigt die 85-jährige Brasilianerin Rosa Luzia Lunardi, die am 5. August 2020 von einer Pflegerin umarmt wird – zum ersten Mal nach fünf Monaten. Die Pflegerin trägt Maske und außerdem trennt sie ein Plastikvorhang, der aber eher wie ein Umhang gestaltet ist. Dadurch wirkt die Pflegerin auch wie ein Engel, der gerade die ältere Frau umarmt.

Laut Jury ist das Foto ein Symbol für die Hoffnung, die weiter lebt, selbst in Zeiten von Selbstisolation. Und das betonte auch der Fotograf selber: „Für mich ist es eine Geschichte von Hoffnung und Liebe in den schwierigsten Zeiten“, so Mads Nissen. Ein Jury-Mitglied sagte, es gehe darin um Verletzlichkeit, Liebe, Verlust, Trennung, Untergang, „aber – sehr wichtig – auch Überleben“.

Warum Brasilien?

Brasilien ist weltweit eines der Länder, das am stärksten von der Corona-Pandemie getroffen wurde. Als er von der Krise dort und der schlechten Führung von Präsident Bolsonaro gehört hat, wollte Nissen etwas dagegen tun und selber aktiv werden.

Dieses Jahr ist übrigens nicht das erste Mal, dass Mads Nissen das Pressefoto des Jahres abgeliefert hat. 2014 hat er die Auszeichnung für das Bild eines schwulen Pärchens in St. Petersburg erhalten.

Weitere Auszeichnungen

Insgesamt werden Auszeichnungen in zehn Kategorien vergeben. Über 74.000 Fotos von über 4.000 Fotografen aus 130 Ländern wurden eingereicht. Am Ende wird pro Kategorie ein Gewinner für ein Foto und ein Gewinner für eine Fotoreihe gekürt. In diesem Jahr war kein Belgier unter den Siegern.

Die beste Fotoreportage gelang dem Italiener Antonio Faccilongo. Er gewann in der Kategorie Photo Story den ersten Preis für seine Serie über die Folgen des Konflikts mit Israel für palästinensische Paare. In der Kategorie Porträt gewann der Russe Oleg Ponomarev mit einem Foto eines Transgender Mannes zusammen mit seiner Freundin in einem Zimmer in St. Petersburg.

In der Kategorie Umwelt hat ein Unterwasserfotograf aus Kalifornien gewonnen. Er hat den Moment festgehalten, als ein Seelöwe neugierig auf eine Mundmaske zu schwimmt, die im Meer treibt. Natürlich war die Corona-Pandemie in diesem Jahr eines der großen Themen – wie auch die Proteste in den USA nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und die verheerende Explosion im Hafen von Beirut.

Alle Bilder kann man auf der Seite World Press Photo sehen, sie gehen auch auf Welttournee. Die Siegerfotos sollen in 50 Ländern in einer Ausstellung zu sehen sein. Ab dem 14. Juli werden sie in Knokke-Heist (Kulturzentrum Schaarpoord) ausgestellt. Außerdem wird es ein World Press Photo Yearbook 2021 geben, das Ende April erscheint.

vrt/dpa/lo/sh/km