Schritt ins Digitale: Aus dem Offenen Kanal wird der Ostbelgien Kanal

Ob Karnevalszüge, Parlamentsdebatten oder Dokumentationen - Die Bandbreite des Offenen Kanals war vielfältig. 2.500 Filme wurden in den letzten 20 Jahren über das Bürgerfernsehen ausgestrahlt. Doch der Fernsehsender "Offener Kanal" ist Geschichte. Die Idee dahinter bleibt jedoch erhalten - digital im Ostbelgien Kanal.

Der Ostbelgien Kanal entsteht keinesfalls im luftleeren Raum. Er fügt sich fast schon nahtlos an die Geschichte des Offenen Kanals. Ute Hendges ist Vorstandsmitglied des Offenen Kanals und kennt die Anfänge genau: „Der Grundstein, der ist damals gelegt worden vor 20 Jahren mit diesen filmbegeisterten Leuten, die da die Kamera rausholen und das gemacht haben. Sonst würde es wahrscheinlich diese Jungfilmer aus Ostbelgien gar nicht geben.“

Vor etwas mehr als 20 Jahren fanden sich 33 Frauen und Männer, jung und alt, zusammen. Sie alle teilten die Begeisterung für den Film. Ein Bürgerfernsehen, der Offene Kanal, wurde ins Leben gerufen. Die Ziele, die sich die Gründungsmitglieder damals setzten, haben an Aktualität nicht verloren. Das zeigt ein Blick auf die erste Sendung des Offenen Kanals, die 1999 ausgestrahlt wurde.

Dr. Rainer Hochstein, Direktor der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter, fasste schon damals zusammen: „In offenen Kanälen lernt Jung und Alt etwas, was in diesen Zeiten des Aufbruchs in die Informationsgesellschaft immer wichtiger wird. Mit Technik umgehen, mit dem Medium umgehen und es selbst zu nutzen. Praktische Medienkompetenz zu erwerben. Und ich glaube, das ist heute ein Stichwort, das größere Bedeutung hat, als alles andere mehr.“

Eine Plattform bieten, mit Ratschlägen und Material zur Seite stehen, Medienpädagogik vermitteln. So steht es in den Statuten von damals. Mediennutzung und -schaffung sollte für jeden zugänglich sein: „Im Grunde genommen ist die Aufgabe die gleiche. Worum ging es damals? Es ging darum, dem Bürger eine Plattform zu bieten, wo er praktisch die Medien kennenlernte und mit den neuesten Medien arbeiten konnte und andere dafür begeistern konnte. Und er konnte zeigen, wie schön die DG ist, was einen interessiert, und das auch weitergeben kann. Das hat sich überhaupt nicht geändert“, erklärt Ute Hendges.

Internetplattform

Doch die neuesten Medien von damals sind nicht mehr die neuesten Medien von heute. Auch das lineare Fernsehen an sich musste und muss eine Reihe von Herausforderungen bewältigen. Hürden, die dem Offenen Kanal bewusst waren, sodass der Vorstand einen Schlussstrich zog – und damit den Weg für den Ostbelgien Kanal ebnete. Dieser ist nun im Medienzentrum unter der Leitung von Rita Bertemes angesiedelt: „Also ich denke, die elementarste Neuheit ist tatsächlich die Art der Ausstrahlung, hätte ich fast gesagt. Also dass es jetzt eine Internetplattform ist und nicht mehr über TV empfangbar. Ich denke der Überbau ist jetzt auch neu, dadurch, dass es jetzt eingebettet ist ins Medienzentrum.“

Medienministerin Isabelle Weykmans betont, dass sich dadurch auch die Aufgabe des Medienzentrums ändert: „Jetzt baut sich natürlich das Medienzentrum immer weiter aus, zum Zentrum der Medienkompetenz. So schnell die technologische Entwicklung ist, müssen sich auch unsere Angebote in diesem Thema anpassen. Das geht einher.“ Zwei Mitarbeiter des Medienzentrums leisten nun medienpädagogische Arbeit. Sie beratschlagen, helfen bei Schnitt oder Film und vernetzen Filmbegeisterte und Know-How.

All das als Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Medien, vor allem aber mit Bildern. Denn die werden immer wichtiger, was der Erfolg von Apps wie Snapchat, TikTok oder Instagram zeigt: „Wenn man selber mal einen Film gemacht hat, auch mit dem Handy und dann da schon Filter drauf setzt. Wenn man aber auch gezeigt bekommt, wie leicht es ist, die Stimme zu verändern, wie leicht es ist, Sachen wegzuretouchieren, wie schnell man durch einen anderen Bildausschnitt eine Aussage verändern kann, der wird natürlich in dieser ganzen Film- und Bilderflut viel wacher für Quellenrecherche“, findet Rita Bertemes.

Die Videos des Offenen Kanals bleiben erhalten und werden nach und nach in den Ostbelgien Kanal eingespeist. Aber auch die Aufgabe des Offenen Kanals besteht weiter. Weil sie immer noch aktuell ist, wie ein erneuter Rückblick zeigt. Dazu eine Rede des damaligen Medienministers Karl-Heinz Lambertz: „Und das ist, denke ich, der vielleicht bedeutendste Beitrag überhaupt, den offene Kanäle leisten können. Das ist, den Menschen vom passiven Fernsehkonsumenten zum aktiven Partner des Fernsehens werden zu lassen.“

Aus dem reinen Fernsehkonsumenten ist über die Jahre ein Konsument verschiedenster Kanäle geworden. Da ist es konsequent, dass aus dem Bürgerfernsehen eine mediale Bürgerplattform wird.

Alle Informationen zum Ostbelgien Kanal findet man im Netz und auf Facebook.

Andreas Lejeune