Wer die Wahl hat, hat die Qual – 20 Sprichwörter

In der Reihe "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache" befasst sich Professor Siegfried Theissen diesmal mit Sprichwörtern.

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Vor dem Gesetz sind alle gleich. Nur, wenn sie alle den gleich guten oder gleich schlechten Rechtsanwalt haben.

Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Man darf heutzutage niemanden mehr diskriminieren. Sogar der schwarze Hansmuff ist jetzt verpönt. Wieso darf man denn so etwas noch von Bauern sagen?

Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Zum Glück halten viele Leute sich nicht daran, sonst wären alle Anwälte arbeitslos.

Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Sehr mutig! Erinnert mich an die drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Der Student sollte das lieber nicht während der mündlichen Prüfung zu seinem Professor sagen.

Was lange währt, wird endlich gut. Es gibt Schriftsteller, die zwanzig Jahre an einem Roman schreiben und dann ist er doch nicht gut.

Was man versprochen hat, muss man auch halten. Für Politiker gilt dies nur bedingt. Es ist ja bekannt, dass Wahlversprechen nur den binden, der sie glaubt.

Wen’s juckt, der kratze sich! Oder kaufe sich eine gute Hautcreme.

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, deckt man ihn zu. Und ich hätte gedacht, dass man zuerst das Kind herausgezogen hätte!

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Aber nicht immer die Wahrheit! Auch, wenn es Bindfäden geregnet hat und es bitter kalt war, wird man das nie zugeben und von Sonne und sommerlicher Temperatur reden.

Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Wer könnte denn so dumm sein? Oder es müsste in der Dunkelheit passieren. Wieder ein so moralisierendes Sprichwort, das genauso unwahr ist wie Alle Schuld rächt sich auf Erden.

Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Andererseits wettert man gegen die Pfennigfuchser. Was denn nun?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und wenn man keine Wahl hat, hat man dann auch keine Qual?

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Wer wäre denn so blöd?

Wer langsam geht, kommt auch zum Ziel. Es kann aber auch sein, dass das Ziel nicht mehr da ist, wenn der Langsame ankommt.

Wer rastet, der rostet. Wovon sollen die Raststätten denn leben?

Wer schläft, sündigt nicht. Kommt ganz drauf an, mit wem!

Wer sein Kind lieb hat, züchtigt es. Heutzutage gibt es dagegen Gesetze.

Wer seine Schulden bezahlt, verdoppelt sein Vermögen. Wie soll das gehen? Lange drüber nachgedacht und doch nicht verstanden. Dieses Sprichwort wurde von einem Gläubiger erfunden, der seinem Schuldner, nicht ganz uneigennützig, Mut machen wollte.

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wie ist das in Einklang zu bringen mit Angriff ist die beste Verteidigung?

Ein Sprichwort von Peter Sloterdijk (Kritik der zynischen Vernunft):
Wer nicht hören will, lässt es den anderen fühlen.

Eine seiner Weisheiten: Wären die Dinge das, was man ihnen sofort ansieht, so müssten jede Untersuchung und Wissenschaft sich erübrigen.

Siegfried Theissen