Belgische Barockkünstlerin auf Google-Startseite

Wer am Dienstag die Seite google.be aufruft, sieht dort das Bild einer Malerin. Es ist die weitgehend unbekannte Barockkünstlerin Michaelina Woutiers.

Michaelina Woutiers Doodle

Bild: Screenshot

Michaela oder Michaelina Woutiers oder Wautiers wurde 1604 in Mons geboren. Gelebt und gearbeitet hat sie in Brüssel. Gestorben ist sie 1689 im Alter von rund 85 Jahren. Ein, für die damalige Zeit, recht hohes Alter.

Das 17. Jahrhundert war das Zeitalter des Barock, die Zeit von Rubens, Van Dyck und Jordaens. Die Kunst war damals eine reine Männerdomäne, und Michaelina Woutiers hat etwas getan, was eigentlich nicht in die Zeit passte: Sie hat die Kunst zu ihrem Leben gemacht und gemalt. Also das, was eigentlich den Männern vorbehalten war. Sie war also eine der ersten emanzipierten Künstlerinnen überhaupt.

Woutiers muss ziemlich angesehen und erfolgreich gewesen sein. Sie hat als Frau nackte Männer gemalt. Das war Frauen damals strengstens verboten, aber sie hat sich drüber hinweggesetzt. Und das gut hundert Jahre, bevor Frauen überhaupt Zugang zu Kunstakademien hatten. Das zeigt, dass sie außergewöhnlich mutig gewesen sein muss. Dennoch ist sie im Laufe der Jahrhunderte mitsamt ihren Werken in Vergessenheit geraten.

Dass Woutiers es auf die Google-Startseite geschafft hat, hat sie Katlijne Van der Stighelen zu verdanken. Die flämische Kunsthistorikerin hat das Leben und das Werk der ungewöhnlichen Künstlerin erforscht und bescheinigt ihr ein Riesentalent und ein ebenso großes Durchsetzungsvermögen.

Weil Woutiers eben nicht in das gängige Muster ihrer Zeit passte und als Frau einfach nicht über die Möglichkeiten verfügte, sich und ihr Werk bekannt zu machen, ist sie dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Google Belgien wollte dem etwas entgegensetzen und dazu beitragen, dass sie ihren rechtmäßigen Platz zwischen den Barockberühmtheiten männlichen Geschlechts einnehmen kann.

Darüber hinaus will Google mit dem Bild von Michealina Woutiers nach eigener Darstellung einen Beitrag zur Genderdebatte und der Debatte über Rollenmodelle leisten.

Das Doodle von Michaelina Woutiers ist übrigens nicht nur auf der belgischen Google-Seite, sondern auch in Luxemburg, Island und Kroatien zu sehen.

vrt/sh/vkr

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