„Grenzenlos: Europa!“ – Ausstellung in der wArtehalle Welchenhausen

Welchenhausen ist ein Ort, in dem nur die Our eine natürliche Grenze bildet. Die "wArtehalle" ist eines der kleinsten und öffentlichsten Museen der Welt. Auf ein paar Quadratmetern zeigen elf Künstler aus Belgien, Deutschland, Polen und der Ukraine, was sie mit Grenzen und mit Grenzen-Losigkeit verbinden.

Ausstellung "Grenzenlos: Europa!" in Welchenhausen

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"grenzenlos: Europa!" - Ausstellung in der wArtehalle Welchenhausen - Stephan PeschMP3

Warten – das kennen sie nur zur Genüge. In einer Ecke des früheren Wartehäuschens in Welchenhausen blicken einen aus dem Bilderrahmen dunkelhäutige Flüchtlinge an. Fotografiert hat sie Willy Filz aus Iveldingen für sein Projekt „Menschen im Nirgendwo – Europa beginnt in Afrika“. „Es ist eine Serie, die ich 2008 gemacht habe. Portraits von Flüchtlingen, die in Marokko gestrandet sind“, erklärt Willy Filz.

Acht Jahre ist das her und aktueller denn je, wo selbst innereuropäische Grenzen wieder dicht gemacht werden. Vor dem Wartehäuschen weht die europäische Flagge auf Halbmast, nicht nur wegen der jüngsten Anschläge von Brüssel. Christof Thees ist Vorsitzender des Museumsvereins. „Es gibt ja Diskussionen und eine Volksabstimmung über den Austritt von einzelnen Ländern aus der EU. Uns geht es vor allem darum, mentale und ideologische Grenzen zu überwinden für kulturelle Vielfalt in einem freien Europa.“

Die Künstlerin Nadine Adams aus Maspelt fühlte sich darum auch gleich angesprochen. „Kann man wirklich alles grenzenlos machen? Ist man in den Grenzen auch frei? Das Thema ist so breit, unendlich könnte man dazu etwas machen“, sagt sie im BRF.

In Welchenhausen beschränkt Nadine Adams sich auf zwei Bilder. Ein Acrylbild, auf dem Europa „stürmisch“ dargestellt wird, weil Europa mit der Flüchtlingskrise stürmische Zeiten erlebe, so die Künstlerin. Außerdem zeigt sie eine weitere Zeichnung zum Thema Europa.

Grenzen als physische Hemmnisse hat Rostyslav Voronko aus der Ukraine erfahren, der ebenfalls in Welchenhausen ausstellt. Er arbeitet als Künstler und Restaurator in Beeskow, nicht weit von der deutsch-polnischen Grenze. Weil er sein Gefühl von „Grenzen“ nicht in Worte fassen könne, tut er es mit Kunst.

Außer Rostyslav Voronko, Nadine Adams und Willy Filz stellen in Welchenhausen zurzeit weitere acht Künstler aus: darunter auch Stefanie Krings und Bernd Keller aus Rödgen bei St. Vith, Eric Legrain aus Beho, Winny Tewes aus Brisy bei Gouvy und Michaël Beauvent aus Bovigny. Ihre Werke sollten die Künstler in eigens dafür gestalteten Umschlägen mit der Post nach Welchenhausen senden – so sind neue Kunstwerke entstanden.

Zu sehen ist die Ausstellung in der „wArtehalle“ bis Anfang Juli. Doch damit nicht genug. „Durch die Nachrichten der letzten Monate hat sich dieses Thema so ausgeweitet,  dass wir eine Parallel-Kunstausstellung mit wesentlich mehr Künstlern zum Thema ‚grenzenloses Europa‘ in Burg Reuland veranstalten“, sagt Christof Thees. Am Wochenende nach Pfingsten soll zudem ein Symposium zum Verhältnis der Völker im Dreiländereck stattfinden.

Text und Bilder: Stephan Pesch

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