Luc Peire ist ein Name, der heutzutage vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. Das räumt auch Kurator David Vermeiren ein. Das will die Ausstellung "Abstractie in overvloed" ("Abstraktion in Hülle und Fülle") aber ändern. Peire, geboren 1916 in Brügge, gestorben 1994 in Paris, ist eine wichtige Figur der belgischen Kunstgeschichte. Insbesondere, was die abstrakte Kunst angeht.
Peire gehört zu denjenigen, die dieser Kunstrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg neues Leben eingehaucht haben hierzulande. Genau das kann man auch ausgezeichnet nachverfolgen in der Ausstellung im Kulturzentrum Scharpoord: Wie Peire, ursprünglich vom flämischen Expressionismus kommend, mit seinen dunklen, erdigen Tönen, über die Jahre hinweg immer abstrakter wurde in seiner Kunst, wie Farben, Licht und Formen immer mehr zur Grundlage und zum Wegweiser für den Künstler wurden.
Dabei werden Peires Werke aber nicht isoliert gezeigt, sondern explizit auch im Kontext ihrer Zeit, sprich im Zusammenspiel und im Dialog mit den Werken und Objekten anderer renommierter internationaler Künstler. Und das bedeutet vor allem viel 50s- und 60-Flair.
Luc Peire hat sein Wirken im Übrigen auch nicht auf Belgien beschränkt, ganz im Gegenteil: Ab dem Ende der 1950er bis zu seinem Tod lebte Peire nämlich in Paris. Zumindest wenn er nicht reiste, was er viel tat. Der Mann knüpfte ein weitverzweigtes Netzwerk, auch über Frankreich hinaus, und machte sich auch international einen Namen, zum Beispiel mit der Biennale 1968 in Venedig. Und seine Werke sind auch stark in Sammlungen internationaler Museen vertreten, vor allem natürlich in Frankreich, den Niederlanden und Belgien.
Und die vielen Reisen waren auch entscheidend für Peires künstlerische Evolution: Italien, Spanien, Nordafrika, Zentralafrika, Balearen, Kanaren – all das hat Spuren in Peires Arbeit hinterlassen, wie die Ausstellung zeigt.
Der Künstler hat auch nicht nur gemalt, das hebt die Ausstellung ebenfalls hervor. Peire entwickelte nämlich eine Technik , die er "Graphie" taufte, und in der er Malerei und Gravur kombinierte. Und seine Werke wurden auch immer größer, seine abstrakte Kunst zierte nämlich auch Gebäude, sowohl von innen, als auch von außen, häufig in den für Peire typischen auffälligen senkrechten Linienmustern.
Die meisten dieser großflächigen, architektonischen Arbeiten konnte Peire in Frankreich realisieren. Wo sie mittlerweile allerdings fast alle der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind. In Belgien gebe es noch einige überlebende Beispiele, etwa in Löwen, der Brüsseler Metro und in Antwerpen. Allerdings wüssten nur die wenigsten Menschen, dass das, was sie da sähen, von Peire sei, so der Kurator.
Ein erklärtes Ziel ist deswegen, Peire wieder einem größeren Publikum bekannt zu machen. Auch gerne einem internationalen Publikum, so Vermeiren, vielleicht seien dann irgendwann auch wieder Ausstellungen im Ausland über Peire möglich. Und der erste Schritt dazu sei eben die Schau in Knokke-Heist.
Wobei der Ort natürlich auch nicht zufällig gewählt ist: Ab 1947 lebte und arbeitete Peire in Knokke und kehrte auch jeden Sommer zurück, unter anderem, um wichtige Kontakte zu pflegen. Peire hatte auch sein Atelier hier und sein künstlerisches Erbe wurde hier konserviert. Und hier muss man dann auch das Peire-Museum erwähnen, dass zu Fuß etwa 20 Minuten vom Kulturzentrum Scharpoord entfernt ist.
Wer nach dem Kulturzentrum nämlich immer noch nicht genug hat von Peire, kann in besagtem Museum noch tiefer eintauchen in die Welt des Künstlers. Oder eben doch lieber gemütlich in Richtung Promenade, Strand und Wasser spazieren.
Die Ausstellung "Abstractie in overvloed" über die Werke von Luc Peire (auch mit deutschen Info-Texten) läuft noch bis zum 25. Oktober. Mehr Informationen und die praktischen Details auf der Kultur-Homepage von Knokke-Heist.
Boris Schmidt








