Napoleon und Europa. Traum und Trauma: Napoleon-Schau in Bonn

In der neuen Napoleon-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn geht es nicht um die Klischees vom Kriegstreiber oder übergroßen Staatsmann. Mit gut 400 Exponaten und mit Hilfe neuer historischer und kunsthistorischer Erkenntnisse wird in zwölf Kapiteln ein differenziertes Bild der napoleonischen Ära dargestellt - zwischen Krieg, Politik, Verwaltung, Propaganda, Kunstraub und Kulturblüte.

Napoleon galt schon seinen Zeitgenossen als Paradox: Sein Kaiserreich war unbedingtes Vorbild eines modernen effizienten Staates. Doch während er sich mit Glanz und Gloria in der Kunst inszenieren ließ, lieferte er durch das Trauma unablässiger Kriege das abschreckende Beispiel einer menschen-verachtenden Militärmaschinerie.

Und so erstarrt der Besucher gleich am Anfang der Schau, ob in Ehrfurcht oder leicht irritiert, vor dem großformatigen Gemälde «Napoleon als thronender Jupiter». Ingres malte das Bild 1806, zwei Jahre nach der Krönung Napoleons zum Kaiser. Es ist eine Leihgabe des Musée de l’Armée in Paris, unmittelbar an den Invalidendom grenzend, wo die Gebeine Napoleons die letzte Ruhe fanden. Gewiss ist, solche Gemälde beeinflussen das Bild vom grossen Frazosekaiser bis heute.

Ein Raum weiter trifft der Blick auf ein künstliches Gebiss und eine Beinprothese. Daneben steht ein Etui mit Zangen und Sägen. Die Behandlung der Verwundeten der napoleonischen Kriege veränderte auch die Medizin, lautet die Botschaft. Zugleich wird das Leid einer ganzen Generation junger Männer um 1800 verdeutlicht. Im europäischen Schmelztiegel der „Grande Armée“ ließen bis zu drei Millionen Männer ihr Leben.

Ein Schwerpunkt der Schau gilt dem Umgang mit Bildern und Archiven. Dass sich Paris zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem europäischen Mekka der Künste und Wissenschaften entwickelte, lag wesentlich auch daran, das Kunst- und Archivsammlungen aus ganz Europa in die französische Hauptstadt verschleppt wurden. Zugleich entwickelte sich aber bei den beraubten Völkern Europas eine patriotische Identifizierung mit den gestohlenen Objekten.

Ein Labor für unzählige Neuerungen der Moderne wurde die napoleonische Epoche. Überall in Europa wirkten viele seiner Reformen und durch die napoleonischen Kriege wurde eine Neuordnung Europas initiiert.  Schliesslich führte dies durch den Wiener Kongress zur Bildung der preussischen Rheinprovinz mit den Kreisen Eupen und Malmedy. Die Entstehung moderner Staaten in Europa war eine weitere Folge. Belgien ist ein gutes Beispiel dafür. Sogar das Kapitel Napoleon und Bonn weist wenn auch indirekt nach Ostbelgien : Auf einer Reise im Herbst 1804 kam es  zu einem ersten Besuch des Kaiserpaares in Bonn.

Napoleon I. und Joséphine logierten bei Anton Maria Karl Graf von Belderbusch, für dessen neugeborene Tochter die künftige Gemahlin des Kaisers als Patin und Namensgeberin fungierte. Der Graf, der  später als „Maire“ in Bonn fungierte war der Erbe und Neffe des aus Montzen stammenen einflussreichen kurkölnischen Ministers und Landkomturs von Alden Biesen Caspar Anton von der Heyden gen. Belderbusch.

Viele Entwicklungen nahmen zur napoleonischen Zeit ihren Ausgang, so die Verbreitung des Code Civil auf den heute noch zahlreiche Gesetze in Belgien gründen. Die europäische Identität findet in dieser Zeit entscheidende Wurzeln – im Abwehrkampf der Völker gegen das napoleonische Heer ebenso wie in dem friedlichen oder kriegerischen Wettstreit zwischen Gelehrten, Künstlern, Politikern, Heerführern und Unternehmern um die effizientesten Lösungen.

Ausstellung zu sehen bis zum 25. April 2011
Bundeskunsthalle: offiziell Website

dpa/lnw/rkr - Bilder:epa

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