Theater Aachen zeigt das lyrische Drama „Werther“ von Jules Massenet

Das Theater Aachen präsentiert in schöner Regelmäßigkeit Werke des französischen Opernrepertoires. In dieser Saison ist es Jules Massenets "Werther", dem natürlich Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" zugrunde liegt.

"Werther" von Jules Massenet: Soon-Wook Ka und Alexandra Yangel (Bild: Marie-Luise Manthei/Theater Aachen)

Pathos, falsche Süße, Kitsch, all dies ist dem Drame Lyrique „Werther“ von Jules Massenet schon nachgesagt worden. Das kann so sein, muss es aber nicht. Der belgische Regisseur Guy Joosten hat dies nachdrücklich vor zwölf Jahren mit einer sehr gut durchdachten kammerspielartigen Inszenierung in La Monnaie bewiesen.

Auch Corinna von Rad ist bei ihrer Aachener Produktion weit entfernt von rührseligen Bildern. Aber Intimität und Intensität lässt sie leider auch vermissen. Das mag teils am eher kargen Bühnenbild liegen. Wir schauen auf die offene Bühne: auf ihr eine groß ansteigende Tribüne, beim ersten und letzten Bild steht jeweils im Zentrum ein frischer respektive nadelloser Weihnachtsbaum.

Das Drama beginnt im Sommer 1782 mit dem Einstudieren der Weihnachtslieder und endet Weihnachten 1782 mit Werthers Freitod. Laut Programmheft ist diese Tribüne ein alter Filmsaal, der Werthers „Zwischenraum des Lebens“ repräsentiert, in welchem er in seine eigenen subjektiven Erinnerungswelten eintaucht und seine Geschichte Revue passieren lässt.

Sicher, die Regisseurin hat sich, davon darf man doch wohl ausgehen, sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie sie diese tragische und auch anrührende Geschichte von der letztendlich unmöglichen Liebe zwischen Werther und Charlotte erzählen soll, aber leider bleibt es bei der Umsetzung bei weniger überzeugenden Lösungen.

"Werther" von Jules Massenet: Soon-Wook Ka, Pawel Lawreskuk und der Kinder- und Jugendchor Aachen (Bild: Marie-Luise Manthei/Theater Aachen)

„Werther“ von Jules Massenet: Soon-Wook Ka, Pawel Lawreskuk und der Kinder- und Jugendchor Aachen (Bild: Marie-Luise Manthei/Theater Aachen)

Von einem Kammerspiel sind wir weit entfernt. Da trägt auch wenig dazu bei, dass sie die Figur eines ständig herumlungernden Butlers hinzu erfunden hat, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Stühle umzusetzen.

Wenig originell ist auch, dass während des ganzen Abends auf den unteren Stufen des Tribünenbodens wie bei einem Mordtatort die Umrisse des toten Werther zu sehen sind. Wir wissen doch, dass er am Ende sterben wird. Obwohl, bei von Rade darf er ganz zum Schluss noch einmal aufstehen. Sei es drum.

Denn gesanglich wartet die Produktion mit positiven Überraschungen auf. Obwohl es den Sängerinnen und Sängern durch die bis zur Rückwand offene hohe Bühne akustisch sicher nicht leicht gemacht wird, sich gegen das mit sehr viel Verve aufspielende Orchester durchzusetzen.

Aachens Erste Kapellmeisterin Yura Yang gibt hier ihre Feuerprobe. Sie hat keine Angst, ein kräftiges Crescendo aufzufahren und dies auch über weite Strecken im fortissimo anzuhalten. Nach meinem Geschmack nicht immer ganz den sensiblen Farben Massenets entsprechend.

"Werther" von Jules Massenet: Alexandra Yangel, Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk (Bild: Marie-Luise Manthei/Theater Aachen)

„Werther“ von Jules Massenet: Alexandra Yangel, Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk (Bild: Marie-Luise Manthei/Theater Aachen)

Sehr erfreulich ist, dass das Theater Aachen die verschiedenen Partien nahezu ausschließlich mit hauseigenen Solisten besetzen kann. Da wäre zunächst Soon-Wook Ka als Werther hervorzuheben. Mit feinem Tenorglanz, ohne allzu viel kitschigem Schmelz singt er die Partie des Werther. Fabio Lesuisse ist ebenso spiel- wie stimmsicher als Nebenbuhler Albert.

Die beiden Schwestern Charlotte und Sophie wirken in dieser Inszenierung tatsächlich noch wie junge Mädchen und auch sängerisch sind Alexandra Yangel und Jelena Rakic mehr als überzeugend. Hervorzuheben ist auch die Leistung des von Jori Klomp vorbereiteten Kinderchores.

Massenets „Werther“ steht noch acht Mal auf dem Spielplan des Theater Aachen – unter anderem als Silvesterproduktion am 31. Dezember.

Hans Reul

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