L’affaire Farewell

Der Spionagefall "Farewell" bedroht in den 80er Jahren das Gleichgewicht der Kräfte des Kalten Krieges.

Ein hoher sowjetischer Funktionär (Emir Kusturica) nimmt in Moskau Kontakt mit dem Mitarbeiter einer französischen Firma (Guillaume Canet) auf, um wichtige Dokumente in den Westen zu schmuggeln. Er ist kein professioneller Spion, sondern ein Eigenbrötler, der hofft, auf den Trümmern des sowjetischen Reiches ein neues sozialistisches Paradies für seine Nachkommen aufbauen zu können.

Dieser Glücksfall für den Westen beschäftigt sowohl Ronald Reagan als auch François Mitterand, die beide versuchen, Kapital aus der Situation zu schlagen. Dabei stehen die Sicherheit und die Zukunft der beiden Hauptbeteiligten an dieser Aktion nicht wirklich oben auf ihrer Prioritätenliste.

Christian Carion („Une hirondelle a fait le printemps“, „Joyeux Noël“) erzählt diese Spionagegeschichte in seinem neuen Film, der allerdings eine Nummer zu brav und trocken ausgefallen ist. Entweder behandelt man ein solches Thema als menschliches Drama (Der kleine Mann, der zwischen die Mühlräder der großen Politik gerät) oder als zündende Satire (Wie dumm sind doch die Menschen, wenn sie glauben, über Macht zu verfügen). Der Film ist weder das eine noch das andere, sondern beschränkt sich darauf, mühsam ein paar Fakten aufzuarbeiten. Ich glaube, der eigentliche Spionagefall war wesentlich interessanter als was der Film daraus gemacht hat.

Guillaume Canet tut, was er kann, um seinem überforderten Möchtegernspion ein paar Konturen zu verpassen, Emir Kusturica hingegen, der sich eigentlich als Regisseur einen Namen gemacht hat („Underground“), leidet darunter, dass sein Französisch mehr aufgesagt als gespielt wirkt.

Carion lässt übrigens genau wie in „Joyeux Noël“, seinem sehenswerten Film über die Fraternisierungsversuche in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, alle Personen ihre richtige Sprache sprechen und so werden die russischen und englischen Passagen mit Untertiteln versehen.

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