The Blind Side

Der amerikanische Traum hat wieder zugeschlagen: diesmal wird aus einem "Slumdog" aus Memphis ein erfolgreicher Student und Football-Spieler

Und das mit Hilfe von Sandra Bullock, die dafür den Oscar bekommen hat. Sie schafft es in der Tat, dem schwachen Drehbuch etwas Humor und Tiefgang zu verleihen. Ohne sie wäre die zuckersüße Story kaum zu verkraften.

Nichts gegen Märchen im Kino, aber wenn eine Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, darf man schon etwas kritische Distanz erwarten. Die Bullock spielt Leigh Anne Tuohy, eine reiche Frau, die mit einer Bilderbuchfamilie (keine Konflikte weit und breit) in einem Märchenschloss lebt, das von den Heinzelmännchen unterhalten wird (keine Köchin, keine Putzfrau, kein Gärtner weit und breit). Sie nimmt einen schwarzen Jungen bei sich auf und ermöglicht ihm ein Studium und eine Sportler-Karriere.

Auch wenn sie diese Aktion von all den anderen reichen weißen Frauen in Memphis unterscheidet, rechtfertigt das noch lange nicht, dass man ihr ein filmisches Denkmal setzt. Da müsste ja jede Frau, die ein Kind adoptiert, einen Oscar bekommen! Auch kann ich mir kaum vorstellen, dass die Geschichte so glatt und „pilcherig“ über die Bühne gegangen ist.

Die echte Leigh Anne Tuohy war übrigens auf der Oscar-Verleihung und fand es gar nicht peinlich, sich feiern zu lassen. Aber was ist von christlicher Nächstenliebe zu halten, wenn sie so ausgeschlachtet wird? Mir scheint, der Film ist sehr repräsentativ für eine gewisse republikanische Bevölkerungsschicht, die glaubt, dass die Welt in Ordnung ist, wenn man nur regelmäßig „Charity“-Bankette organisiert und ab und zu ein Mitglied vorweisen kann, dass sich aus dem Fenster lehnt und etwas ungewöhnlich Barmherziges tut. Dann kann man sich auch guten Gewissens darüber empören, dass der Präsident allen US-Amerikanern den Zugang zu einer Krankenversicherung ermöglichen will.

„The Blind Side“ – ein reaktionäres Märchen, das seiner Hauptdarstellerin nicht das Wasser reichen kann!

Bild: epa

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