Milk

Erstaunlich brav und wie ein Dokumentarfilm präsentiert sich die Filmbio des ermordeten schwulen Politikers Harvey Milk.

Das ist schade. Denn vom Regisseur Gus Van Sant wissen wir, dass er stilistisch und inhaltlich auch andere Akzente setzen kann. Denken wir nur an Filme wie „My Own Private Idaho“, „To Die For“, „Elephant“ oder selbst „Good Will Hunting“.

Auch gibt es bereits einen Dokumentarfilm über das Leben und Sterben dieses Mannes: „The Times of Harvey Milk“, der 1985 den Dokumentarfilm-Oscar erhielt.

Von daher hätte ich mir eine ganz andere Herangehensweise an das Thema gewünscht. Was nicht heißen will, dass der Film nicht funktioniert. Und Leute, die die Story des ersten offen schwul lebenden Politikers, der in den USA in ein öffentliches Amt gewählt wurde, nicht kennen, dürften diese Geschichtsstunde durchaus interessant finden. Auch Nostalgiker (der Film spielt im San Francisco der 70er Jahre) kommen auf ihre Kosten.

Sean Penn

Was den Film allerdings absolut sehenswert macht, ist die schauspielerische Leistung von Sean Penn. Dieser Mann, der für viele seiner jüngeren Kollegen wegen seiner künstlerischen Integrität, seiner Konsequenz und seiner diversen Engagements ein Vorbild ist, ist dafür bekannt, dass er das Leben nicht wirklich von der leichten Seite betrachten kann. Und viele seiner Rollen reflektieren dieses düstere und grimmige Image.

Um so erstaunlicher ist die Tatsache, dass er als Harvey Milk einen durchweg fröhlichen und optimistischen Mann spielt, der die meiste Zeit lacht und sich wie ein Kind unterm Tannenbaum freuen kann. So sehr freut er sich, dass der Zuschauer nicht anders kann als sich mit ihm oder für ihn zu freuen. Zum ersten Mal ist Sean Penn in einem Film richtig sympathisch. Und dieser Wandel hat seine Kollegen derart beeindruckt, dass sie ihm in diesem Jahr seine fünfte Oscarnominierung verliehen haben.

Allein aus diesem Grund sollten Sie den Film nicht verpassen.

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