Taking Woodstock

Als die kleine Gemeinde Bethel sich bereit erklärt, das Woodstock-Festival auf ihren Wiesen willkommen zu heißen, weiß sie nicht, was ihr blüht

Der Film „Taking Woodstock“ von Ang Lee wirft einen Blick auf das legendäre Hippie-Musik-Festival aus dem Jahre 1969 aus der Sicht der Menschen, in deren unmittelbarer Nachbarschaft drei Tage lang Geschichte geschrieben wurde.

Der Kultur-Clash zwischen konservativer Landbevölkerung und kiffenden Blumenkindern sorgt für Zündstoff. Doch Ang Lee ist weniger an den Konflikten interessiert als an der allgemeinen Stimmung, die dieses Festival der Liebe und des Friedens vielleicht ausgestrahlt hat.

Ich sage „vielleicht“, denn man muss wohl schon dabei gewesen sein, um beurteilen zu können, ob es so oder ganz anders war. Die Nostalgie spielt dabei natürlich auch eine wichtige (verklärende?) Rolle. Aber es ist trotzdem erstaunlich, wie der aus Taiwan stammende Regisseur Ang Lee es immer wieder schafft, sich in Gefühlswelten hineinzuversetzen, die ihm doch ziemlich fremd sein dürften.

Er fühlt sich genau so sehr zu Hause bei den englischen Frauen von Jane Austen auf der Suche nach einem Ehemann („Sinn und Sinnlichkeit“ mit Emma Thompson und Kate Winslet) wie beim gelangweilten Bürgertum der 70er Jahre („Der Eissturm“ mit Kevin Kline und Sigourney Weaver) oder den sich liebenden Männern in einer verlorenen Bergwelt („Brokeback Mountain“ mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal). Erzählt er Geschichten aus Fernost, so können diese die Form einer Familienkomödie („Eat Drink Man Woman“, „Das Hochzeitsbankett“) oder eines Kampfsportmärchens („Crouching Tiger, Hidden Dragon“) annehmen.

So unterschiedlich die Themen auch sein mögen, eins verbindet die Filme von Ang Lee: er behandelt all seine Figuren mit sehr viel Einfühlungsvermögen und hinterlässt oft beim Zuschauer eine große Sehnsucht.

Auch „Taking Woodstock“ ist da keine Ausnahme. Mit kleinen Pinselstrichen zeichnet der Regisseur wieder das gelungene Porträt einer Generation, einer Zeit, eines Lebensgefühls.

Neben dem unbekannten Demetri Martin in der Hauptrolle bestechen in gelungenen Gastauftritten Emile Hirsch („Into the Wild“, „Milk“) als Vietnam-geschädigter Veteran, Liev Schreiber („The Manchurian Candidate“) als Drag-Queen vom Sicherheitsdienst und vor allem Imelda Staunton („Vera Drake“, „Harry Potter 5“) als ewig schimpfender jüdischer Hausdrachen. Wie wär’s mit einer Oscarnominierung, Imelda?

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