Elève libre

Ein belgischer Film sorgt zur Zeit für Aufsehen: In "Elève libre" erzählt Joachim Lafosse von einem Teenager, der in sexuelle Abhängigkeit zu drei Erwachsenen gerät.

Jonas hat nicht mehr viel, auf das er bauen kann: Die Schule will ihn kein weiteres Mal mehr doppeln lassen, für eine Tenniskarriere ist er nicht gut genug, die erziehungsberechtigte Mutter ist meistens verreist und lässt ihn allein mit seinem Bruder zurück.

Zum Glück sind da drei Bekannte seiner Mutter, zwei Männer und eine Frau, die sich um ihn kümmern und ihm vorschlagen, ihn auf die Prüfungen des „Jury Central“ vorzubereiten.

Zum Glück? Die drei haben sich vorgenommen, den Jungen auch auf sexueller Ebene auf das Leben vorzubereiten. Zunächst kommen sie ihm mit „wohlgemeinten“ Ratschlägen, an denen seine Beziehung zu einem gleichaltrigen Mädchen zerbricht, danach werden sie handgreiflicher …

Der Film braucht ziemlich lang, bis er zu seinem eigentlichen Thema findet, doch dadurch baut er eine psychologische Spannung auf, die die Grenzen zwischen Vertretbarem und Unzumutbarem allmählich verwischt. Am Ende ist die Handlung schier unerträglich und man möchte aufschreien, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten, doch das Drehbuch geht seinen eigenen Weg.

Nach dem Film möchte man am liebsten sofort mit einem Mitmenschen diskutieren, wobei ich glaube, dass die Beurteilung der Situation und des Zeitpunktes, in dem sie kippt, von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich sein dürfte. In einem Land, das mit dem Dutroux-Makel zu leben hat, ist dieser Film auf jeden Fall mutig und sehenswert.  

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