Brideshead Revisited

In seinem Roman "Wiedersehen mit Brideshead" warf der britische Autor Evelyn Waugh 1945 einen kritischen Blick auf eine Adelsfamilie, die in ihren Traditionen verfangen war.

Den zunächst unbeteiligten Beobachter spielt der junge Student Charles Ryder, der sich von dem Reichtum und den guten Manieren der Blaublütigen blenden lässt, ohne zu merken, dass er immer tiefer in die schweren Konflikte, die sich durch die Familie ziehen, hineingerissen wird.

In den 80er Jahren wurde der Roman mit großem Erfolg als Fernsehmehrteiler in England verfilmt und der damals am Anfang seiner Karriere stehende Jeremy Irons spielte Charles Ryder. Diesmal ist Matthew Goode („Match Point“) in die Rolle geschlüpft und er bringt dieselbe ironische Distanz und tragische Melancholie mit, die die Markenzeichen seines Vorgängers Irons geworden sind.

Die bange Frage, die sich den Fans der Fernsehserie stellte, war die, ob ein Kinofilm von zwei Stunden dem Roman auch gerecht werden würde (Eine ähnliche Frage beschäftigt zur Zeit die „Buddenbrooks“-Fans).

Mir hat der Film sehr gut gefallen und aus der Erinnerung kann ich nicht sagen, ob wichtige Bestandteile der Handlung der Schere zum Opfer gefallen sind. Ich finde sogar, dass die Beziehungen zwischen Ryder und den beiden Sprösslingen Julia und Sebastian Flyte besser funktionieren als damals.

Interessant ist damals wie heute, welchen Blick ein Außenstehender auf das Phänomen „Katholizismus“ wirft. In England sind die Katholiken in der Minderheit und wirken daher ein wenig exotisch. Wie Emma Thompson in der Rolle der Übermutter die katholische Waffe der Schuld handhabt, ist auf jeden Fall sehenswert.

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