The Ghost Writer

Die Memoiren eines britischen Ex-Premiers zu redigieren, erweist sich in diesem ruhigen Thriller von Roman Polanski als gefährliches Unterfangen

Der Film ist nach einem Roman von Robert Harris entstanden, der bereits mit Büchern wie „Vaterland“ (Was wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte?) und „Enigma“ (wie war das mit den legendären Code-Entschlüsselern des Zweiten Weltkriegs?) bewiesen hat, dass er ein Meister der spannenden Politik-Fiktion ist.

Diesmal geht es um mögliche Verstrickungen zwischen dem britischen Premier und den US-Geheimdiensten. Wie kam es, dass die Außenpolitik des Herrn Blair so sehr amerikanischen Vorstellungen entsprach? Harris hat diese Tatsache zum Ausgangspunkt für seine (erfundene?!) Story genommen, in der ein Ghost Writer (Ewan McGregor) einige Ungereimtheiten in dem Memoiren-Entwurf eines britischen Ex-Premiers (Pierce Brosnan) findet. Der Versuch, Licht in das Dunkel zu bringen, birgt so manche Gefahr.

Roman Polanski hat einen ungewöhnlichen Thriller inszeniert, ungewöhnlich, weil er eigentlich auf alle gängigen Thriller-Rezepte verzichtet. Erst zum Ende des Films wartet der Film mit den üblichen Drehbuchüberraschungen auf, aber es sieht ganz so aus, als hätte der Regisseur sich für diesen Aspekt der Geschichte nicht wirklich interessieren können. Statt dessen verbringt er viel Zeit damit, eine gewisse Stimmung aufzubauen und seine Protagonisten vorzustellen, darunter die Ehefrau des Politikers (Olivia Williams) und seine Privatsekretärin (Kim Cattrall, bekannt aus „Sex and the City“).

Die Handlung spielt auf einer kleinen amerikanischen Atlantikinsel im Winter. Das Wetter ist durchweg stürmisch-trüb und passt somit gut zur melancholischen Atmosphäre des Ganzen. Polanski widmet dem Hausangestellten, der vergeblich versucht, die Blätter im Wind zu fegen, fast mehr Zeit als der eigentlichen Handlung. Aber das scheint nur so, denn in Wirklichkeit verliert er nie sein Ziel aus den Augen, einen beklemmend-spannenden Film zu drehen, der vielleicht zu seinen besten gehört.

PS. Ewan McGregor hat nichts von seinem bubenhaften Charme verloren und es ist schön, ihn mal wieder in einer Hauptrolle zu sehen, die seiner würdig ist.

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