La rafle

Am 16. und 17. Juli 1942 werden in Paris rund 13.000 Juden, darunter 4.000 Kinder, festgenommen und nach Deutschland deportiert.

Der Film „La rafle“ von Rose Bosch behandelt dieses Thema in fast dokumentarischer Weise. In einem Land, in dem nach Beendigung des Krieges plötzlich alle in der „Résistance“ gewesen sein wollen und in dem die Beteiligung der Vichy-Regierung und der Polizei an dieser Massenrazzia erst 1995 offiziell zugestanden wurde, ist es wohl wichtig, „de remettre les pendules à l’heure“, wie die Franzosen sagen.

Von daher handelt es sich hier um einen wichtigen Film. Doch wie ist der Film unabhängig von seiner politischen Bedeutung zu bewerten? Erfüllt er die Voraussetzungen, um nicht nur eine gute Ausgangsbasis für Aufarbeitungsdiskussionen zu sein, sondern auch um sich emotional im Gedächtnis der Zuschauer festzusetzen? Mit einem Wort: kann er „Schindlers Liste“ das Wasser reichen? Nicht wirklich, dafür ist die Regisseurin zu sehr auf Distanz zu ihrem Thema gegangen. Es ist erst ihr zweiter Film als Regisseurin, und Steven Spielberg hat damals gesagt: hätte er nicht all die anderen Filme vorher gedreht und so sein Handwerk perfektioniert, wäre er dem Thema „Holocaust“ nie gerecht geworden.

Es kommt auf die Dosierung an. Doch für ein paar packende Szenen, die unter die Haut gehen, gibt es hier zu viele Füllszenen, die man so oder so ähnlich schon viel zu oft gesehen hat. Vor allem die Szenen mit dem Maréchal Pétain und die mit Adolf Hitler sind völlig fehl am Platz und lenken nur unnötig von der eigentlichen Handlung ab. Wie es zur „Collaboration“ vieler Franzosen kam, hätte man auch anders erklären können.

Die Schauspieler tun ihr Bestes, um dem Ganzen etwas Dichte zu verleihen, und vor allem Mélanie Laurent („Inglourious Basterds“) überzeugt in der Rolle einer protestanischen Krankenschwester, die die jüdischen Kinder bis zu ihrem bitteren Ende begleiten möchte.

„La rafle“ – eine wichtige Geschichtsstunde, aber kein überragender Film.

Bild: epa

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