Das weiße Band

Die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes ging in diesem Jahr an einen Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke.

Von Haneke hatte ich bisher die Filme „La pianiste“ mit Isabelle Huppert und Benoît Magimel nach dem Roman von Elfriede Jelinek sowie „Caché“ mit Juliette Binoche und Daniel Auteuil gesehen. Der erste hatte mich verstört, der zweite verwirrt zurückgelassen. Ich war also nicht sonderlich scharf darauf, mir noch eine Dosis Haneke reinzuziehen. Nur das Label „Goldene Palme“ und die Tatsache, dass der Film von Deutschland für die Oscars eingereicht wurde, haben mich dazu bewogen, mir „Das weiße Band“ anzusehen.

Die in Schwarz-Weiß gedrehte Geschichte eines deutschen Dorfes im Jahre 1913, in dem ein paar Unfälle zu viel passieren, verbindet die ruhige Erzählweise des Films „Caché“ mit den Psycho-Terror-Elementen aus der „Klavierspielerin“. Familie, welche Verbrechen sind in Deinem Namen schon verübt worden! So könnte das Motto dieses Films heißen, der einen klinisch kalten Blick hinter die Fassade der bürgerlichen und bäuerlichen Wohlanständigkeit der deutschen Vorkriegsgesellschaft wirft. Die Dorfgemeinschaft wird auf eine harte Probe gestellt und man weiß bis zum Ende des Films nicht, ob der Zement aus wirtschaftlicher Abhängigkeit und traditionellem Standesdenken halten wird oder nicht.

Trotz der vielen Abgründe, die der Film aufzeigt, ist er zugänglicher als die beiden anderen, die ich gesehen habe. Das soll nicht heißen, dass Michael Haneke jetzt die breite Masse erreichen wird. Aber vor allem dank einer Riege besonders beeindruckender Kinder ist „Das weiße Band“ durchaus sehenswert.

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