Spannende Erfahrung: In der Kinderjury des „Goldenen Spatzes“

Nicht nur unter Kindern ist das Filmfestival "Der Goldene Spatz" in jedem Jahr ein Highlight. Auch Schauspieler und Regisseure fiebern dem Event entgegen. Das Besondere beim Goldenen Spatz: Eine Kinderjury entscheidet über die Gewinner. In dieser Jury sind auch in diesem Jahr zwei Kinder aus Ostbelgien gewesen. Jonah Schmühl aus Eynatten war einer von ihnen.

Jonah Schmühl aus Eynatten (Bild: privat)

Jonah Schmühl aus Eynatten (Bild: privat)

Beim deutschen Kindermedienfestival „Der Goldene Spatz“ dreht sich alles um Unterhaltung. Genau das Richtige für den zehnjährigen Jonah Schmühl aus Eynatten. Gemeinsam mit Alicia Krahwinkel aus Espeler war er in diesem Jahr Teil der Kinderjury.

Das Bewerbungsverfahren ist eigentlich ziemlich unkompliziert – alles was es braucht, ist eine selbstgeschriebene Filmkritik. Jonah hat sich den Film „Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf“ ausgesucht und konnte sich durchsetzen. Die Reise nach Erfurt musste er dann aber ohne seine Familie antreten. Seine Mutter Iris erinnert sich an gemischte Gefühle. „Natürlich haben wir den Jonah vermisst. Es war sehr ungewohnt, dass er eine ganze Woche weg war, weil es auch das erste Mal war, dass er eine ganze Woche nicht hier war. Aber ansonsten waren wir natürlich total stolz auf ihn, dass er das geschafft hat, weil sich ja so viele Kinder bewerben. Da ist dann auch die Chance nicht so hoch, dass er genommen wird, aber es hat dann zum Glück geklappt.“

Beim „Goldenen Spatz“ angekommen, bekamen Jonah und seine Jury-Kollegen einiges an Unterhaltung geboten. Der „Goldene Spatz“ bedeutet aber auch einen straffen Zeitplan, an den sich der zehnjährige Eynattener zurück erinnert. „Erstmal gab es Frühstück, dann haben wir uns meist zwischen 8 und 9 Uhr getroffen. Dann sind wir erstmal ins Kino gegangen bis mittags, dann gab es Mittagessen. Dann haben wir über die Filme vom Vormittag diskutiert. Insgesamt waren es 36 Beiträge – zum Teil Langfilme, Kurzfilme, aber auch Serien. Im Nachmittag wurden dann wieder Filme geguckt und dann ging es zurück ins Hotel.“

Neue Kontakte und Freundschaften

Die Kinderjury vom Goldenen Spatz besteht aus 32 Kindern aus Deutschland und den umliegenden deutschsprachigen Ländern und Regionen. Ziemlich viele Eindrücke, die dort auf einen einprasseln, sagt Jonah. Aber auch tolle neue Kontakte und Freundschaften haben sich in der Woche entwickelt. „Also ich habe schon einige Freunde dadurch gefunden, und gemerkt, dass wir viele gleiche Interessen haben. Das ist uns in der Freizeit aufgefallen. Eigentlich haben wir alle noch Kontakt, also wir schreiben uns jeden Tag und wir rufen uns an.“ Vor allem der Abschied hat weh getan, Jonah hofft aber darauf, dass er seine neuen Freunde schnell wiedersehen kann.

Zum Ende der Woche ging es für die Verleihung vom Goldenen Spatz von Gera nach Erfurt – und da wurde es dann auch richtig spannend. Da haben die Kinder sich nämlich in einem interessanten Abstimmungsverfahren für die Preisträger entschieden. „Tatsächlich war nur das Finale in Erfurt, der Rest, wo wir die Filme geschaut und diskutiert haben, war in Gera. Erstmal mussten wir die Filme schauen und bewerten. Donnerstags, am Tag vor dem Finale, haben wirklich alle im Saal zusammengesessen und dann wurde gefragt, wer welchem Film den ‚Goldenen Spatz‘ verleihen will.“

Natürlich war die ganze Woche vom „Goldenen Spatz“ etwas ganz Besonderes. Ein Moment war aber auch für Jonah besonders außergewöhnlich. „Ich glaube, das war der Moment, an dem ich dann wirklich auf der Bühne stand am Freitag und da wurde es dann richtig spannend. Das war das größte Highlight. Zuerst wurden die Jurymitglieder auf die Bühne gebeten und ich durfte dann verraten, wer den Spatzen bekommt in der Kategorie. Dann gab es einen kleinen Ausschnitt zum Gewinnerfilm und die Begründung, wieso der Film ausgesucht wurde und dann wurden Spatzen und eine Urkunde verteilt.“

Jonah hat den Gewinnerfilm aus der Kategorie „Bester Langfilm“ präsentiert: „Der Pfad – Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit“. Jonah erinnert sich, dass er besonders beeindruckt von der spanischen Hauptdarstellerin Nonna Cardoner war – sie hat den gesamten Film auf Deutsch gedreht, ohne die Sprache zu verstehen.

Auch Jonas Familie durfte für die Preisverleihung anreisen und erinnert sich gerne. „Für uns war es auch total aufregend, vor allem Dingen, weil wir auch bei der Preisverleihung dabei sein durften. Das war schon toll, ihn dann auf der Bühne zu sehen, wie er da total cool den Preisträger verkündet hat. Wie ein Profi.“

Bei der Verleihung vom „Goldenen Spatz“ waren natürlich auch viele Schauspieler und Regisseure der nominierten Filme anwesend. Auch Jonah sind einige Prominente über den Weg gelaufen. Besonders Julian Janssen, vielen auch als „Checker Julian“ bekannt, hat bei ihm Eindruck hinterlassen. Er hatte die Preisverleihung moderiert.

Beste Woche seines Lebens

Im Gespräch nennt Jonah den „Goldenen Spatzen“ die beste Woche seines Lebens. „Ich habe so was auch zum ersten Mal gemacht, vor allem, weil ich noch nie so lange von zu Hause weg war. Es war eine tolle Erfahrung und vor allem etwas ganz Besonderes, mitfahren zu dürfen. Ich würde es aber nicht so noch ein zweites Mal machen – ich glaube, einmal reicht.“

Grund dafür ist vor allem der Abschied von den Freunden, die er beim „Goldenen Spatzen“ kennengelernt hatte. Gegen einen weiteren Besuch der Preisverleihung haben Jonah und seine Familie aber nichts einzuwenden. Jonahs jüngerer Bruder Eliah will nämlich auch einen der begehrten Plätze in der Kinderjury ergattern, sagt Mutter Iris. „Es war einfach, dass man sein Kind ein Stück weit loslassen muss, und Eliah hat aber auch schon gesagt, dass er sich auch bewerben möchte. Er hat ja auch das Recht, sich zu bewerben – wenn er das möchte, dann unterstützen wir ihn da auch.“

Für einen Platz in der Kinderjury vom „Goldenen Spatz“ dürfen sich alle Kinder zwischen neun und 13 Jahren bewerben. Es ist bereits das zehnte Mal, dass ostbelgische Kinder mit in der Kinderjury gewesen sind.

Lindsay Ahn