Io sono l’amore: Tilda Swinton in Italien

Die britische Oscar-Preisträgerin spielt eine Frau der Mailänder High Society, die sich in einen jungen Koch verliebt.

Edoardo Gabbriellini und Tilda Swinton

Edoardo Gabbriellini und Tilda Swinton

Die vielseitige und eigenwillige Tilda Swinton („Benjamin Button“, „Michael Clayton“, „The Chronicles of Narnia“, „The Deep End“, „Orlando“) und ihr italienischer Komplize, der Regisseur und Drehbuchautor Luca Guadagnino, erzählen die Geschichte einer Mailänder Industriellengattin, die durch die unerwartete Liebe zum besten Freund ihres Sohnes aus ihrer Schicki-Micki-Lethargie erwacht und ihr Leben in die eigenen Hände nimmt, aber nicht ohne einen schweren Preis dafür zu zahlen.

Was bei diesem visuell eindrucksvollen Film ein bisschen stört, ist, dass der Regisseur manchmal den Eindruck erweckt, mehr an seinen stimmungsvollen Bildern zu hängen als an der Geschichte. Und das Ende, das die von Tilda Swinton verkörperte Frau in eine Reihe mit den großen romantisch-tragischen Heldinnen des 19. Jahrhunderts stellt wie Madame Bovary, Effi Briest oder Anna Karenina, ist auch nicht wirklich zeitgemäß.

Tilda Swinton, die in dem Film italienisch spricht, ist anfangs erstaunlich zurückhaltend. Erst zum Ende hin verwandelt sie sich in die uns bekannte tatkräftige Kämpferin für die Rechte der Außenseiter. Und wer ist mehr ein Außenseiter als der, der jenseits der spießbürgerlichen Moral liebt und bereit ist, die Konsequenzen zu tragen? Wenn der Film in den USA einigermaßen geschickt vermarktet wird, könnte die Swinton tatsächlich eine zweite Oscar-Nominierung erhalten. Die Rolle und die Leistung rechtfertigen das, aber die italienische Sprache ist natürlich ein Hindernis in Hollywood …

Wenn Sie in schönen Bildern schwelgen wollen und bereit sind, die Romantik von vor 150 Jahren wieder zuzulassen, dann dürfte Ihnen dieser Film viel Freude bereiten.

Frank Vandenrath - Bild: epa

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