Katastrophen mit Happy End – Roland Emmerich wird 65

Roland Emmerich schreckt vor keiner Katastrophe zurück. Er holt Flutwellen, Aliens und Riesenechsen auf die Leinwand. Nun wird Hollywoods Meister der Zerstörung 65 - und bringt den Mond aus seiner Umlaufbahn.

Roland Emmerich wird 65 (Bild: DPA)

Roland Emmerich wird 65 (Bild: DPA)

Roland Emmerich greift mit „Moonfall“ nach den Sternen. Der auf Katastrophen spezialisierte deutsche Hollywood-Regisseur, der am Dienstag (10. November) 65 Jahre alt wird, hat den passenden Stoff gefunden. „Klassisch Emmerich“ trifft auf sein neues Projekt, das er kurz vor seinem Geburtstag im kanadischen Montreal in Angriff nahm, perfekt zu. Er sei unglaublich begeistert, diese „kühne Mission“ in den Weltraum zur Rettung der Menschheit mit seinem fantastischen Cast zu starten, schrieb Emmerich Ende Oktober auf Twitter. Dazu stellte er ein Nasa-Foto von der grauen Oberfläche des Mondes.

Trotz Corona-Pandemie packt der Regisseur, Autor und Produzent den Sci-Fi-Katastrophenfilm mit einer Spitzenbesetzung um Donald Sutherland, Halle Berry, Patrick Wilson und Stanley Tucci an. Das Branchenblatt „Deadline.com“ schätzt das Budget auf über 130 Millionen Dollar. Für ein Interview sei Emmerich derzeit leider zu beschäftigt, heißt es auf die Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bei seinem Sprecherteam. Doch mit dem gewaltigen Szenario, das Emmerich auf die große Leinwand zaubern möchte, rückt seine Produktionsfirma Centropolis Entertainment in Hollywood heraus.

In „Moonfall“ wird der Mond durch mysteriöse Kräfte aus seiner Umlaufbahn befördert und rast auf die Erde zu. Ein Retter-Team soll die Katastrophe verhindern. Oscar-Preisträgerin Berry spielt eine Ex-Astronautin, Sutherland einen NASA-Mitarbeiter. Bis 2022 müssen sich die Fans wohl gedulden.

Emmerichs Name steht für episches Katastrophenkino: „Stargate“ (1994), „Independence Day“ (1996), „Godzilla“ (1998), „The Day After Tomorrow“ (2004), „10.000 B.C.“ (2008), „2012“ (2009), „White House Down“ (2013) und „Independence Day: Wiederkehr“ (2016). Mit Spezialeffekten und gigantischen Plots legt Emmerich die Welt in Schutt und Asche, mal sorgen Aliens für die Apokalypse, mal schmelzen die Polkappen und New York versinkt in Wassermassen.

Zeitgemäße Themen

Mit „Midway – Für die Freiheit“ brachte er im vorigen Jahr ein Kriegsdrama über eine Pazifik-Seeschlacht von 1942 zwischen Japan und USA auf die Leinwand. Hinter viel Heldenepos und riskanten Flugmanövern verdeutlicht der Film die Brutalität des Kriegs. Im DPA-Interview sagte Emmerich, er wollte Menschen ein Denkmal setzen, die für Freiheit gekämpft haben. Dies sei ein zeitgemäßes Thema.

„Durch die Flüchtlingskatastrophe in den letzten fünf, sechs, sieben, acht Jahren ist unsere Welt wieder nationalistisch geworden. Es ist viel Faschismus aufgekommen. Und es ist gut, (…) zu erinnern, dass es mal Menschen gab, die sich für Freiheit eingesetzt haben, die für Freiheit gestorben sind.“

Häufiger schon ließ der deutsche Blockbuster-Regisseur das Weiße Haus zerstören. In „Independence Day“ (1996) machen Aliens ganz Washington platt. In dem Katastrophenfilm „2012“ crasht ein Flugzeugträger auf einer mächtigen Flutwelle hinein, in „White House Down“ besorgen Terroristen den Rest. Hätte er das ein weiteres Mal vor? Das sei nun abgegessen, sagte Emmerich im vorigen Jahr der DPA. „Ich glaube, mit Trump hat man zum ersten Mal einen Präsidenten gesehen, der ein Idiot ist. Das ist einfach ein Idiot. Und ich glaube, das hat auch bei mir verursacht, dass ich Präsidenten nicht mehr wirklich ernst nehme.“

Carl-Laemmle-Preis

Emmerich hat einen deutschen und einen amerikanischen Pass. Als Barack Obama gewählt wurde, seien er und seine Schwester, die Produzentin Ute Emmerich, Amerikaner geworden. Los Angeles ist seit Jahrzehnten die Wahlheimat des Stuttgarters. 2017 gab er dort seinem langjährigen Partner Gerardo Omar Soto das Jawort.

In seiner schwäbischen Heimat hatte Emmerich die geplante Hochzeit wenige Monate zuvor angekündigt, als er im März 2017 in Laupheim mit dem Carl-Laemmle-Produzentenpreis geehrt wurden. Der 1876 geborene Schwabe Laemmle schrieb Filmgeschichte, als er jung in die USA auswanderte und dort die Universal-Studios gründete.

Als berühmtester Schwabe im heutigen Hollywood war Emmerich der erste Empfänger des Produzentenpreises. Emmerich selbst erinnerte in seiner Dankesrede an seine Zeit als Student der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Als Schwabe sei er dort stets ein wenig belächelt worden. Doch Laemmle sei für ihn immer ein Vorbild gewesen.

Große und kleinere Budgets

Schon als Student hatte Emmerich ein Faible für große Produktionen. Mit „Das Arche Noah Prinzip“ drehte er 1983 den damals teuersten Abschlussfilm in der Geschichte der Filmhochschule und sorgte mit dem Eine-Million-Mark-Projekt auf der Berlinale für Aufsehen. Mit „Universal Soldier“ und „Stargate“ startete Emmerich dann in Hollywood durch – trotz einer verpatzten Technikprüfung an der Hochschule.

„Sie haben mich damals zu Videosignalen befragt. Da habe ich gesagt: ‚Ich verstehe nix von Video. Fragen Sie mich über Film‘. Und dann hat er mich durchfallen lassen. (…) Ich habe dann auch keinen Abschluss gekriegt, aber zum Glück von meinem Professor später ehrenhalber einen Abschluss bekommen“, erzählte Emmerich.

Die 25 Filme seiner 1985 gegründeten Firma Centropolis Entertainment hätten weltweit mehr als drei Milliarden Dollar eingespielt, heißt es auf der Homepage des Unternehmens, das er zusammen mit seiner Schwester betreibt. Es geht aber auch ohne Mega-Explosionen, mit viel kleineren Budgets – und geringeren Einnahmen.

„Stonewall“ (2015) handelte von den Anfängen der Homosexuellenbewegung in New York Ende der 1960er Jahre. Der Film sei eine Herzensangelegenheit, betont der offen schwule Regisseur in Interviews. In dem Historiendrama „Anonymous“ (2011) über William Shakespeare ging er der Frage nach, ob der englische Dichter seine Werke selbst geschrieben hat. Beide Filmen fielen an den Kinokassen allerdings durch.

„Man steckt doch immer ein bisschen in einem Käfig mit dem, womit man Erfolg hatte“, sagte Emmerich 2013 der DPA. „Aber das muss man akzeptieren, es kann nicht alles erfolgreich sein. Und ich denke, als Filmemacher will man, wenn man stirbt, auch nicht die Boxoffice-Zahlen auf dem Grabstein haben, sondern die Filmtitel.“

Von Barbara Munker, DPA