Filmische Erinnerung an den Holocaust: „Der letzte Jolly Boy“

Eine emotionale und erschütternde Reise in die NS-Vergangenheit: Für den Film "Der letzte Jolly Boy" hat Regisseur Hans-Erich Viet den Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum vier Jahre lang zu den Orten der Gräueltaten begleitet.

Hans-Erich Viet und Dr. Tomke Lask (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Dokumentarfilmer Hans-Erich Viet und Dr. Tomke Lask (Bild: Anja Verbaarschot/BRF).

Der Holocaust – eine Zeit der grausamen Völkermorde, des Rassismus und des Krieges. Genau in dieser Zeit lebte der inzwischen 99-jährige Holocaust-Überlebende Leon Schwarzbaum. Seine tragische Geschichte bringt der Regisseur Hans-Erich Viet mit dem Dokumentarfilm „Der letzte Jolly Boy“ nun auf die Kinoleinwand und in die Schulen in Ostbelgien.

Dabei erzählt er, wie sich die Gewalt zunächst ganz unscheinbar immer weiter ausgebreitet und gesteigert hat. Leon Schwarzbaum nimmt die Zuschauer mit einem Lächeln an die Hand. Dennoch macht der Film betroffen. Es werden nur die Geschichten erzählt, die Leon Schwarzbaum am eigenen Leib erfahren hat, sagt Hans-Erich Viet:

„Besonders hängen geblieben ist eine Situation, wo er zum ersten Mal gesehen hat, dass neben ihm ein Mensch getötet wurde. Es war ein 16-jähriges Mädchen mit roten Haaren, das versucht hatte zu fliehen. Und er steht auch da, weil man ihn gerade eingefangen hat. Bis heute quält ihn die Frage, worum dieses Mädchen erschossen wurde und nicht er.“

Die Erinnerungen zu teilen, war eine schmerzhafte Erfahrung für Leon Schwarzbaum – eine Erinnerung an das vergangene Grauen, das er erlebt hat. Dass er sich offenbarte hatte dennoch eine befreiende Wirkung auf ihn. Er konnte seine Erfahrungen teilen und die Erinnerung als mahnendes Beispiel am Leben zu erhalten.

„Man muss in tausend Jahren noch über dieses Thema reden“, so Hans-Erich Viet. „Jetzt sind wir in der letzten Phase, in der es diese Menschen noch gibt. Es ist eine Art Verpflichtung, eine Verbeugung vor dem, was diese Menschen erlebt haben.“

Die Organisation der Filmaufführungen übernahm das Institut für Demokratiepädagogik. Ziel ist es, die Ereignisse der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Kinder sollen zudem einen bewussten Umgang mit Medien erlernen, so Tomke Lask, wissenschaftliche Leiterin des Institutes für Demokratiepädagogik.

„Man sieht die Medien in Aktion, also Film, Fernsehen. Mir liegt sehr viel daran, dass die Jugendlichen lernen, dass man aus der Vergangenheit etwas für die Gegenwart mitnehmen kann. Der Film bietet viele Möglichkeiten, Medienkompetenz bei den Schülern zu fördern. Aber es geht um die tägliche Anwendung von demokratischen Kompetenzen.“

Der Film „Der letzte Jolly Boy“:

  • am Mittwoch, 5. Februar 2020, im Kino Corso um 20 Uhr
  • am Donnerstag, 6. Februar 2020, um 19:30 Uhr im Parlament der DG. Aufgrund der begrenzten Sitzplätze wird um eine Reservierung gebeten.

Anja Verbaarschot