Howard Shore: „Stille in Filmen ist sehr wichtig“

Howard Shore hat die Musik für drei der erfolgreichsten Filme aller Zeiten geschrieben: Für die «Herr der Ringe»-Trilogie wurde er mit Preisen überhäuft und mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet.

Howard Shore und seine Oscars

Howard Shore und seine Oscars

Howard Shore hat die Musik für drei der erfolgreichsten Filme aller Zeiten geschrieben: Für die «Herr der Ringe»-Trilogie wurde er mit Preisen überhäuft und mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet. Seine Musik ist in Filmen wie «Das Schweigen der Lämmer», «The Departed» mit Leonardo DiCaprio oder «Philadelphia» mit Tom Hanks zu hören. Und doch sagt der 63-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München: «Stille im Film ist sehr wichtig.»

Mister Shore, Sie haben schon mit zehn Jahren Musik geschrieben – in einem Alter, in dem die meisten Kinder auf Bäume klettern oder Fußball spielen. Wie kam es dazu?

Howard Shore: «In den 50er Jahren gab es in Kanada, wo ich aufgewachsen bin, Hörtests für Kinder, um zu testen, ob sie das absolute Gehör haben. Und ich habe eine sehr hohe Punktzahl erreicht. Dann haben sie mich gefragt, ob ich ein Instrument spielen möchte. Ich entschied mich dann für die Klarinette und lernte danach, viele viele andere Instrumente zu spielen. Flöte, Saxofon, Trompete, Cello, Piano, asiatische, keltische und ost-indische Instrumente. Ich bin auch heute noch auf der Suche nach Neuem. Ich bin immer noch ein Schüler – ich schaue und lerne.»

Gab es ein Instrument, das für Sie zu schwer war, um es zu beherrschen?

Howard Shore: «Sie waren alle zu schwer. Darum bin ich ja Komponist geworden.»

Wie lange haben Sie an der Musik für «Herr der Ringe» gearbeitet?

Howard Shore: «Drei Jahre und neun Monate – es ist ja auch ein langer Film mit fast elf Stunden Musik.»

Ist diese Musik Ihr wichtigstes Werk?

Howard Shore: «Sie ist das Ergebnis all dessen, was ich in meinem Leben gelernt habe. Es hat wahrscheinlich eigentlich 40 Jahre gedauert, diese Musik schreiben zu können. Ich brauchte die Erfahrung. Es hat lange gedauert, an den Punkt zu gelangen, an dem man sich etwas von dieser Größe überhaupt zutrauen kann.»

Das Filmgeschäft und seine Technik haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Beeinflusst das auch Ihre Arbeit als Musiker?

Howard Shore: «Ja sicher. Ich versuche natürlich, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Film und Musik sind sehr technische Medien. Es war ein großer Schnitt, als die Technologie sich von analog zu digital verändert hat – und das verändert meine Arbeit natürlich auch.»

Inwiefern?

Howard Shore: «Die Datenmenge! Die Menge der Daten, die ich mir ansehen muss, hat sich um ein Vielfaches erhöht. Früher hatte ich ein paar VHS-Kassetten, den Director’s Cut, den Rohschnitt und die veröffentlichte Version, die ich mir ansehen musste – heute gibt es unzählig viele Versionen eines Films.»

Können Filme ihrer Ansicht nach auch ohne Musik funktionieren?

Howard Shore: «Ja natürlich! Das tun sie auch. Es gibt oft preisgekrönte Filme, die komplett ohne Musik auskommen, weil sie eine bestimmte Art der Realität oder auch der Intimität zeigen wollen. Musik ist eine emotionale Sprache, die die Geschichte erweitert und vertieft. Manchmal ist das aber überhaupt nicht nötig. Manchmal braucht ein Film keine musikalische Untermalung, weil er den direkten Zugang zum Publikum hat. Stille im Film ist sehr wichtig. Und ihr Gebrauch kann meisterhaft sein.»

Sie selbst sind für die «Herr der Ringe»-Musik mit Preisen überhäuft worden. Sind die Ihnen wichtig?

Howard Shore: «Als Schreiber arbeite ich so viel allein. Ich verbringe die meiste Zeit allein schreibend in kleinen Räumen. Ich bin sehr dankbar für die Anerkennung, die ich für meine Arbeit bekommen haben. Es hat ja auch sehr lange gedauert. Die Musik für «Herr der Ringe» war nicht über Nacht fertig. Es hat viele Jahre gedauert. Und erst dieser Film hat ja diese Anerkennung bekommen – vorher war es… nun ja… anders.»

Sie bringen die «Herr der Ringe»-Musik seit einiger Zeit auch als Orchester-Stück live auf die Bühnen dieser Welt. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

«Es ging mir auch darum, die Musik zu bewahren und aus dem Film herauszuholen. Menschen sollen sie auch unabhängig von dem Film genießen können.»

Britta Schultejans (dpa) - Bild: epa

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