„Les 30e Vrombissants“: Neues Formel-1-Buch über Spa-Francorchamps

Pünktlich zum Großen Preis von Belgien ist ein neues Buch in den Läden. Das Formel-1-Rennen am 23. August 2015 ist das 30. auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps in der verkürzten Version. Autor des Jubiläumsbuchs ist der Journalist Christian Lahaye, auch als Streckensprecher bekannt.

Philippe Adams, Autor Christian Lahaye und Eric van de Poele bei der Buchvorstellung in Brüssel

Philippe Adams, Autor Christian Lahaye und Eric van de Poele bei der Buchvorstellung in Brüssel

„Mir ist vor ein paar Monaten klar geworden, dass dieses Jahr der 30. Grand Prix auf der ’neuen‘ Rennstrecke von Spa-Francorchamps stattfinden wird. Die Gelegenheit, Bilanz zu ziehen“, erklärt Christian Lahaye zur Entstehungsgeschichte seines Buchs „Les 30e Vrombissants“ (etwa: Dröhnende 30), das am 14. August auf Französisch und auf Englisch erschienen ist.

Es ist ein sehr persönliches Buch. „Ich habe es genutzt, um meine Erinnerungen zu erzählen. Von manchen Rennen spreche ich sehr viel, von anderen weniger. Dann erzähle ich mehr von dem aktuellen Geschehen in dem Jahr. Das heißt wohl, dass das Rennen in nicht so interessant war.“ Das Vorwort kommt von keinem geringeren als Bernie Ecclestone und trägt den wunderschönen Titel: „Der Grandprix, wo man am besten essen kann“.

Zu Beginn des Buchs, bevor es an die 29 Rennen geht, kommen Persönlichkeiten der belgischen Formel-1-Welt zu Wort: Jacky Ickx, Thierry Boutsen, der RTBF-Journalist Gaëtan Vigneron oder Yvon Aubinet, Chef vom Hotel-Restaurant Le Roannay in Francorchamps, der aus dem Nähkästchen plaudert.

Der Interview-Teil ist der Teil, den Christian Lahaye selbst am meisten mag. Sehr gelungen findet er das Gespräch mit Bruno Senna über dessen Onkel Ayrton Senna – „vor allem, weil ich es nicht alleine geschrieben habe. Bruno hat es mit mir geschrieben. Ich wollte erzählen, wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren und wie die Familie das damals in Brasilien erlebt hat.“

Bruno Senna hat Korrektur gelesen und als Lahaye das Manuscript zurückbekam, war ziemlich viel rot durchgestrichen. „Bruno nimmt alles sehr genau und hat dann gesagt: Das stimmt so nicht ganz, das musst du eher so sagen, … Er hat sehr viel daran gearbeitet und als er dann am Ende den fertigen Text gesehen hat, war er sehr zufrieden.“

Belgier in der Formel 1

Ein Kapitel ist auch den belgischen Formel-1-Fahrern ab 1983 gewidmet: Thierry Boutsen, Eric van de Poele, Philippe Adams und Jérôme d’Ambrosio. Philippe Adams und Eric van de Poele waren bei der Buchvorstellung dabei. „Wir alle haben die Stimme von Christian im Ohr und ich liebe die Art und Weise, wie er Geschichten erzählt. Früher im Fernsehen, dann als Streckensprecher, und jetzt durch ein Buch. Ich kann es kaum erwarten, das Buch zu lesen“, sagt van de Poele.

Van de Poeles Formel-1-Geschichte ist ziemlich kurz und ziemlich bewegt. Aber die Erinnerungen sind vor allen Dingen positiv. „Als Fahrer lernt man die beste Seite an der Formel 1 kennen. Die Arbeit, wenn du im Auto sitzt, abgeschottet von der Welt, nur in Kontakt mit deinem Ingenieur, und du um jede Hundertstelsekunde kämpfst.“ Natürlich gab es auch schlechte Zeiten. „Ich bin für Teams gefahren, die in finanziellen Schwierigkeiten steckten, sagt van de Poele. Wenn ich ankam, habe ich dann erstmal geschaut, ob mein Name überhaupt auf dem Auto steht.“

Zwei Jahre war Eric van de Poele in der Formel 1, bei Philippe Adams war es ein Jahr. Dabei konnte er sich nur für zwei Rennen qualifizieren – aber der Große Preis von Belgien war dabei. „Wir mussten uns damals qualifizieren, der Druck war enorm. Und dieser Druck ist dann bei der Fahrerparade von mir abgefallen. Ich habe die ganze Parade lang geheult. Weil mir erst da klar geworden ist, dass ich tatsächlich dabei bin.“ Das war 1994. Adams kam nicht ins Ziel. Sieger wurde Damon Hill. Alle Daten und Fakten zu den 29 Rennen sind natürlich auch in dem Buch nachzulesen.

Porträts der 13 Sieger

Der dritte Teil ist den 13 verschiedenen Siegern gewidmet. „Zehn von ihnen sind Weltmeister geworden, das zeigt ja schon, dass man ein sehr guter Fahrer sein muss, um in Spa zu gewinnen“, sagt Christian Lahaye. „Sechs Mal hat Schumacher gewonnen, fünf Mal Senna und vier Mal Räikkönen. Mehr als die Hälfte der Siege gehen also alleine an diese drei, das finde ich schon interessant.“

Christian Lahaye hält sich in dem Buch glücklicherweise mit Statistiken zurück. Leider aber auch mit Fotos. Die Bilder von Georges Decoster hätten etwas mehr Platz verdient. Durch die etwas altbackene Aufmachung macht das Buch auf den ersten Blick nicht unbedingt Lust darauf, es zu kaufen. Aber es lohnt sich, denn die Geschichten geben einen ganz eigenen Einblick in die Formel-1-Welt.

Les 30e Vrombissants. La F1 à Spa-Francorchamps depuis 1983
Christian Lahaye, Fotos von Georges Decoster
Noir Dessin Production, 2015
223 Seiten, 29 Euro
ISBN 978-2-87351-311-5

Katrin Margraff

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