Der Kick – Andres Veiel

Andres Veiel durchleuchtet mit "Der Kick" den Mord, den drei rechtsgesinnte Jugendliche 2002 an dem 16-jährigen Marinus Schröberl begangen hatten.

Oberflächliche und fehlerhafte Informationen der Medien hatten aus dem Fall ein Spektakel gemacht, nicht aber Ursachenforschung betrieben.

„Der Kick“ versteht sich als „Ein Lehrstück über Gewalt“, wie es der Untertitel verrät. Dieses Lehrstück ist in mehrere Teile gegliedert.

Der erste Teil besteht ausschließlich aus Ausschnitten von Interviews und Vernehmungen. Der Autor überlässt es dem Leser, sich eine Meinung zu bilden.

Der Autor greift erst im zweiten Teil ein. Dort wird auf die Lebensläufe der Täter, des Opfers, auf ihr Umfeld, die Tat und ihre Geschichte eingegangen. Nicht nur die Geschichte der Tat und somit der Beteiligten, sondern auch die Geschichte des Ortes, wird durchforstet.

Es geht zurück bis in die NS-Zeit und das DDR Regime. Klar wird, dass eine Form des Verschweigens, der Sprachlosigkeit und der Verdrängung das Dorf regiert. Aufgestockte Aggressionen und soziale Probleme, so stellt sich heraus, führen zu einer hohen Gewaltbereitschaft.

Die Strategie des Buches ist das analytische Verfahren. Von vorneherein ist klar, dass Marinus Schöberl von den Brüdern Marco und Marcel Schönfeld und Sebastian Fink ermordet wird. Der Anspruch des Buches ist, die Hintergründe aufzudecken.

Also erhält der Leser häppchenweise einzelne Puzzlestücke, die sich nach und nach in ein Ganzes zusammenfügen. Die Tat wird nüchtern geschildert und nach dem Rechercheverfahren des investigativen Journalismus führt das Ergebnis zu einer Art sachlicher Berichterstattung.

Die Tat

An einem scheinbar harmlosen Freitagabend zieht Marinus mit Bekannten durch die Gegend. Alkohol ist im Spiel. Marco Schönfeld, der erst 10 Tage zuvor von der Haft entlassen wurde, beginnt Marinus zu demütigen. Marcel Schönberg und Sebastian Fink machen bald mit.

Aus dem kleinen Machtspielchen wird ein Spiel mit dem Leben. Der fatale Akt ist der sogenannte „Bordsteinkick“. Nach dem Beispiel des Films „American History X“ wird das Opfer gezwungen, in einen Bordstein zu beißen.

Erst ein halbes Jahr später wurde die Tat aufgedeckt. Solange hatte das Dorf die Geschehnisse verschwiegen.

Der Autor

Andres Veiel, Jahrgang 1959, ist ausgebildeter Psychologe sowie Dokumentarfilm-Regisseur und Drehbuch-Autor. Er gilt als der bekannteste und meist ausgezeichnete Dokumentarist Deutschlands.

Andres Veiel erhielt für seine Arbeiten mehr als 30 Preise und Auszeichnungen, darunter den Europäischen Filmpreis (2001), den Deutschen Filmpreis in Gold (2002), den Preis der deutschen Filmkritik für den besten Dokumentarfilm (2005).

Für sein bisheriges Gesamtwerk bekam er 2005 den Konrad-Wolf-Preis und 2006 den Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung der Deutschen Filmkultur.