Oréliens Debütroman "C’était ça ou mourir" erschien im August in Frankreich, verkaufte sich bereits mehr als 75.000 Mal und gewann Ende September den Prix du Roman der Fnac. Der Roman war auch für den Prix Goncourt nominiert, wurde inzwischen aber von der Auswahlliste gestrichen.
Grund sind Vorwürfe der KI-Nutzung - ausgelöst durch den anonymen X-Account "Balance ton Claude". Die Gruppe behauptete, Textstellen des Romans mit der KI-Erkennungssoftware "Pangram" analysiert zu haben. Das Ergebnis: Eine nahezu hundertprozentige Wahrscheinlichkeit, dass künstliche Intelligenz beim Schaffensprozess am Werk war. Wer hinter dem Account steckt, ist allerdings bislang unbekannt, daher bleibt umstritten, wie verlässlich die Analyse ist.
Orélien: "Den Roman habe ich geschrieben"
Der 38-Jährige ist fassungslos und weist die Vorwürfe entschieden zurück. Gegenüber der Zeitung "Libération" sagte Orélien, er habe das kreative Schaffen und das Schreiben immer geliebt. Er sehe keinen Grund, warum er dafür eine Maschine nutzen sollte. Allerdings räumte er ein, gelegentlich KI-Werkzeuge für Recherchen genutzt zu haben. Aber der Text, die Struktur und die Handlung kämen "direkt aus meinem Bauch heraus". Orélien will jetzt ein Dossier zusammenstellen, das seine Unschuld beweisen soll.
Der Verlag beendet die Zusammenarbeit
Der kanadische Verlag Boréal verteidigte Orélien zunächst ausdrücklich und erklärte Mitte Oktober, man habe absolutes Vertrauen in Thélyson Orélien. Am Mittwoch dann die Kehrtwende: Es lägen neue Erkenntnisse vor, die zeigten, dass künstliche Intelligenz im Schreibprozess eingesetzt worden sei, so der Verlag. Boréal wird den Roman nicht nachdrucken und auch keine weiteren Bücher von Orélien veröffentlichen.
Was bedeutet das für den Roman?
Trotz der Vorwürfe bleibt "C’était ça ou mourir" einer der großen Literaturerfolge dieser Saison. Der Roman ist trotz der KI-Debatte für weitere Preise nominiert. So steht er nach wie vor in der Auswahl des Renaudot-Preises, der am 3. November vergeben wird. Den Prix Goncourt allerdings kann Oréliens Debütroman nicht mehr bekommen: Die Académie Goncourt hatte ihn bereits im September aus der Auswahl genommen, um die Integrität des Preises zu wahren.
"Es war das oder sterben"
Auf Deutsch erscheint der Roman erst kommenden Sommer. Mitte Juni 2027 will der Rowohlt Verlag "Es war das oder sterben" veröffentlichen. Inhaltlich wird die dramatische Flucht des haitianischen Geschichtslehrers Jonas nach Kanada erzählt.
belga/libre/tijd/cbc.ca/jp