Die Filme von James Bond heißen so, weil der Held der Abenteuer eben James Bond heißt. Bei den drei Comic-Neuerscheinungen ist das genauso: XIII ist der Code-Name des Helden der gleichnamigen Kult-Serie, die 1984 vom Brüsseler Comic-Autor Jean Van Hamme gestartet worden ist. Seit 2011 gibt es einen zweiten Zyklus von XIII, entworfen vom Brüsseler Comic-Szenaristen Yves Sente und gezeichnet von dem Russen Iouri Jigounov.
Nebenprodukt und anderer Titel
Miss Tattoo ist die Heldin einer ganz neuen Serie des belgischen Comic-Künstlers André Taymans und ein Nebenprodukt seiner Serie um Caroline Baldwin. Die Zeichnungen stammen von der Italienerin Elisabetta Barletta.
Lady Elza schließlich ist die zentrale Figur der Geschichten, die im französischen Original zwischen 2001 und 2009 unter dem Titel "Les Rochester" vom Belgier Jean Dufaux und dem Schweizer Wahl-Belgier Philippe Wurm veröffentlicht worden waren. Ins Deutsche waren sie damals noch nicht übersetzt worden.
Fortsetzungsbände
Alle drei neu erschienenen Comics sind Fortsetzungsbände ihrer jeweiligen Reihen. Die Handlungen aller drei spielen nicht in Belgien, sondern in den USA – XIII und Miss Tattoo - und Großbritannien. Alle drei bedienen sich bei den typischen Genre-Zutaten von Agenten-Storys: Spannung, Intrigen, Verfolgungsjagden, Schießereien und auch Erotik gehören bei allen mit zum Mix.
Und bei allen dreien spielt – mal gewollt, mal eher zufällig – die Aktualität mit in die Geschichte hinein.
Donald Trump taucht auf
Bewusst geschieht das in den beiden Comics, die in den USA spielen. Sowohl im neuen Band 30 von XIII "So Help Me God!" – "So wahr mir Gott helfe!" – als auch im Band zwei von Miss Tattoo "Katz & Maus" taucht US-Präsident Donald Trump auf – ohne allerdings beim Namen genannt zu werden.
In "So Help Me God!" geht es zentral um die Macht im Weißen Haus. Dort regiert ein US-Präsident mit autoritärem Führungsstil das Land. Die Mitglieder einer Stiftung halten im Hintergrund allerdings viele Fäden der Macht in ihrer Hand. Sie versuchen auch mit Hilfe von XIII den Präsidenten mit verschiedenen Schachzügen hinter den Kulissen im Zaum zu halten.
Epstein-Affäre
In "Katz & Maus" taucht dagegen ein US-Präsident auf, der genau so aussieht wie Donald Trump. In diesem Comic wird ganz klar auf die Epstein-Affäre angespielt: Vergnügungen mit leicht bekleideten jungen Frauen an Pools und auf Golfanlagen, das Erpressen mit Sexvideos und die Bemühungen bestimmter Kreise, das zu vertuschen und von anderen, diese Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen.
Islamistisches Attentat in London
Bei Lady Elza, deren Abenteuer in Großbritannien spielen, ist es dagegen eher zufällig, dass zumindest eine Geschichte aus dem neuen Doppelband jetzt gerade wieder aktuell ist. Und zwar die Geschichte "Zornige junge Männer". Die spielt in London kurz nach dem islamistischen Attentat 2005, bei dem 52 Menschen ermordet worden waren. Der Comic greift die islam- und ausländerfeindliche Stimmung damals als Folge der Attentate innerhalb der britischen Gesellschaft auf und zeigt in der Handlung, wie unterschiedliche Kreise damit umgegangen sind.
Aktualität hat diese Thematik jüngst durch das ebenfalls islamistisch motivierte Attentat beim Christopher Street Day in Berlin erhalten.
Geschichten schöpfen Potenzial nicht aus
Doch leider schöpfen alle drei Comics – und ganz besonders XIII und Miss Tattoo - das Potenzial, das sie durch diese Aktualitätsbezüge andeuten, viel zu wenig aus. Die Geschichten bleiben zu sehr an der Oberfläche, und das nicht nur bei der Behandlung der genannten Aktualitätsbezüge. Vieles bleibt zu kurz gefasst, von der Zeichnung der Charaktere bis hin zum Storytelling, bei dem es zu viele Sprünge gibt. Zu viel bleibt hinter Andeutungen versteckt. Das mag zum Genre gehören, scheint hier aber übertrieben angewendet.
Gerade beim neuen Band der Serie XIII wird zudem viel Wissen aus den vorherigen Bänden vorausgesetzt. Ohne ein bisschen Ahnung über die Vorgeschichte und die Charaktere ist Band 30 von XIII kaum zu verstehen und zu genießen.
Gelungene Zeichnungen
Die Zeichnungen dagegen sind durchaus gelungen. Lady Elza und Miss Tattoo sind in klassischer klarer Linie gezeichnet und werden wahrscheinlich jedem, der diesen Stil mag, gefallen. Gut gemacht, aber auch ohne große Besonderheiten.
Bei XIII wird bei den Zeichnungen der so genannte frankobelgische Realismus verwendet – und führt zu einem beeindruckenden Ergebnis. Manche Zeichnungen gelingen so gut, dass fast der Eindruck entsteht, es handele sich um ein Foto – und nicht "nur" um eine Zeichnung.
Die Comics
- Yves Sente, Iouri Jigounov, XIII 30: So Help Me God!, Hamburg 2026, Verlag Carlsen, 48 Seiten, 12 Euro.
- André Taymans, Elisabetta Barletta, Miss Tattoo – 2. Katz & Maus, Hamburg 2026, Verlag Schreiber & Leser, 48 Seiten, 16,95 Euro.
- Philippe Wurm, Jean Dufaux, Lady Elza – Doppelband 3. Lilly und der Lord, Hamburg 2026, Verlag Schreiber & Leser, 96 Seiten, 24,80 Euro.
Kay Wagner