"Das Buch ist ein autofiktionaler Tagebuch-Roman, der die letzten Tage und Wochen eines sterbenden Katers zeigt. Das Ganze stellt die Beziehung eines Menschen zu einem Tier dar und soll auch über die Katze hinaus gehen, als eine Geschichte, die universell verstehbar ist." Mit diesen Worten beschreibt Autor Martin Wolschlager, worin es in seinem Roman geht. "Gute Nacht, lieber Pnyxi" heißt er. Und der Untertitel ergänzt: "Was Tiere uns über uns selbst verraten".
Das Buch ist der Versuch Wolschlagers, über den Tod seines geliebten Katers Pnyxi vor knapp einem Jahr hinwegzukommen. Bei dem Kater wurde nach nur sieben Jahren Lebenszeit ein Krebsleiden festgestellt. Trotz Behandlung führte der Krebsbefall unweigerlich zum Tod.
Dieses nicht mehr zu ändernde Schicksal war Wolschlager bewusst, als er, der Tagebücher als eine seiner Lieblingslektüren bezeichnet, selbst begann, ein Tagebuch zu schreiben. Und zwar über das Abschiednehmen von seinem Kater. Diese Tagebuch-Passagen bilden die Grundlage für das, was jetzt als Roman vorliegt. Einen Katzen-Roman der ungewöhnlichen Art könnte man ihn nennen. Denn obwohl ein Kater die Hauptrolle spielt und man vieles über das Verhalten und Wesen eines Katers oder einer Katze liest, ist das Thema Sterben und Tod doch ungewöhnlich. Ganz bewusst.

"Es gibt eine wachsende Zahl an Menschen, denen der Verlust von Haustieren sehr nahe geht. Das ist auch immer noch ein Tabu-Thema. Es gab erst am Beginn des Jahres eine große Studie aus Großbritannien, wonach einem Fünftel der Menschen der Tod eines Haustieres so nahe geht wie der Tod eines Menschen. Das Buch ist auch ein Versuch, diese Dimension darzustellen."
Das gelingt Wolschlager souverän. Die Geschichte ist leicht zu verstehen, die Sprache schnörkellos und gut zugänglich. Der Leser leidet mit dem Autor, ohne dass die Tränendrüse extra aktiviert werden muss. Kitschig wird der Roman an keiner Stelle.
Vielmehr schafft er es tatsächlich, auch dank der Verweise auf andere Literatur, weltweit bekannte Künstler und Katzenliebhaber, das eigene Leiden wegen des Schicksals seines Katers in eine größere Dimension zu stellen. Dabei prahlt Wolschlager nicht mit seinem Wissen, sondern setzt es dosiert dort ein, wo es Sinn macht. Bis hin zur Erklärung des altgriechischen Ursprungs des Namens seines Katers Pnyxi.
Dass der Roman in Brüssel spielt, hat für die Handlung an sich keine Bedeutung. Trotzdem sagt Wolschlager: "Er ist insofern ein Brüssel-Roman, als er die intime, persönliche Dimension einer Katze in Brüssel darstellt. Der Kater Pnyxi ist im Sablon in Brüssel geboren, dann nach Saint-Gilles gekommen und danach in Anderlecht aufgewachsen. Er hat seine Tierarztbesuche in Brüssel erledigt. Er hat Garnelen geliebt. Das war seine Lieblingsspeise. Und es ist natürlich die Frage, ob nicht seine Großeltern mal in Knokke oder Ostende waren und vielleicht gerne Fisch gegessen haben. Also, es hat eine gewisse Brüssel-Dimension und Belgien-Dimension, weil der Kater natürlich eine belgische Katze war."
Dass Wolschlager dem Roman durch seine berufliche Tätigkeit als Berater im Europaparlament eine weitere Brüssel-Dimension hätte hinzufügen können, darauf verzichtet er wahrscheinlich ganz bewusst. Denn wo er arbeitet, spielt keine Rolle bei seinem ganz privaten Verhältnis zu seinem Kater. Und auch nicht bei der Botschaft, die der Autor mit seinem Roman vermitteln will. Es geht anhand eines bestimmten Katers um Allgemeingültiges, um das Verhältnis von Tier zu Mensch, um den Prozess der Trauer, des Abschiednehmens und des Sterbens.
Der Roman "Gute Nacht, lieber Pnyxi" von Markus Wolschlager ist im Verlag Kern erschienen und kostet 14,90 Euro.
Kay Wagner