Auch dieser Thriller führt die Leser in das indigene Kanada. In einem Reservat der First Nations, am Great Slave Lake, ist ein grausamer Mord an einer jungen Familie passiert: Eine Mutter und zwei ihrer Kinder sind mit einer Axt erschlagen worden. Der Vater und der kleinste Sohn Felix sind vermutlich am Leben, wurden aber entführt. Sie zu finden, wird für Garner zum persönlichen Auftrag - obwohl er eigentlich aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist. Aber man hat ihn zurückgeholt, seine Expertise als Profiler wird benötigt, und so hat ihn der Ehrgeiz gepackt.
"Endzeit" ist Frauke Buchholz' vierter Thriller, der vor dem Hintergrund der First Nations spielt. Das ist eine ganz bewusste Wahl, denn sie hat mit der Biografie der Autorin zu tun. Frauke Buchholz hat als junge Frau eine Zeitlang mit Cree-Indianern zusammengelebt und sich mit deren Geschichte auseinandergesetzt. Später besuchte sie auch andere Reservate in Nordamerika.
Die Erfahrungen, die sie dabei sammelte, lösten in ihr durchaus auch zwiegespaltene Gefühle aus. "Einerseits die lange Geschichte der Kolonialisation, der Unterdrückung, der Armut, der Probleme mit Drogen und Gewalt in den Reservaten. Das sind zum Teil Verhältnisse wie in der Dritten Welt. Andererseits hat mich das mit unglaublicher Bewunderung erfüllt, wie tough die Leute sind! Wie sie trotzdem versuchen, an den Zeremonien festzuhalten, wie stark die Familien zusammenhalten, wie gastfreundlich und herzlich die Menschen sind - und wie lustig auch! Das hat mich eigentlich mein Leben lang begleitet, und ich hatte das Bedürfnis und den Wunsch, das mit europäischen Lesern zu teilen", sagt Frauke Buchholz.
Und genau das ist es, was ihren Thriller von anderen Krimis unterscheidet: Was der Leser über den Alltag in den abgelegenen Reservaten erfährt, ist gründlich recherchiert und zeugt von ihrer persönlichen Kenntnis der indigenen Menschen. Informativ und bildreich zugleich beschreibt sie die Charaktere und die Einsamkeit der Natur, die sie umgibt. Und sie beschreibt schonungslos die Verbrechen, die an den Indigenen begangen werden - und die zum Teil bis heute unaufgeklärt sind. Wie in den bisherigen Bänden der Garner-Serie - "Frostmond", "Blutrodeo" und "Skalpjadg" - hat auch "Endzeit" eine gesellschaftspolitische Dimension. Diesmal steht das Thema "Rassismus" im Mittelpunkt.
"Endzeit" ist der letzte Roman der Tetralogie um den Profiler Ted Garner. Es ist eine spannend geschriebene, fiktive Kriminalgeschichte mit einem ernsten Hintergrund. Er entlarvt Vorurteile gegenüber einer Gesellschaft, die den meisten von uns kaum bekannt sein dürfte.
Der Roman ist neu im Pendragon Verlag erschienen. Er kostet 20 Euro.
Judith Peters