Holland op z‘n smalst – Professor Siegfried Theissen hat rund 2.500 niederländische Redewendungen gesammelt

Wenn von "Holland op z’n smalst" die Rede ist, dann ist damit nicht mehr der schmale Streifen Land im Nordwesten der Niederlande gemeint - mitunter steht es als spöttische Bemerkung für Engstirnigkeit oder Spießbürgerlichkeit. Professor Siegfried Theissen ist in einem neuen Buch solchen niederländischen Redewendungen auf den Grund gegangen.

Professor Siegfried Theissen (Archivbild: BRF)

Professor Siegfried Theissen (Archivbild: BRF)

Oefening baart Kunst oder: Übung macht den Meister. Nicht alle Redewendungen aus dem Niederländischen finden so leicht ein Pendant im Deutschen. Professor Siegfried Theissen warnt vor sogenannten „falschen Freunden“. „Da ist der Holländer, der sagt ‚Ich habe dreimal ‚gebellt‘, aber keiner hat die Tür geöffnet.'“ „Bellen“ steht im Niederländischen für klingeln.

Diese „falschen Freunde“ will Siegfried Theissen aber erst nächstes Jahr im Buske-Verlag veröffentlichen lassen. Jetzt ging es ihm erst einmal um den Abschluss seiner Trilogie: nach den französischen Redewendungen sowie den englischen und amerikanischen nun also die in der Sprache Vondels. Annähernd 2.500 davon hat er gesammelt, übersetzt und erläutert – eine regelrechte Fleißarbeit oder wie ließe sich das im Niederländischen ausdrücken? „Ja, es gibt etwas Ähnliches im Niederländischen, und zwar das Sprichwort ‚De aanhouder wint‘. Das bedeutet dann ausharren, sich dranhalten, nicht aufgeben.“

Verkleinerungsform sehr ausgeprägt

Und das trifft zweifellos zu, wenn sich Siegfried Theissen mit einer Sprache wie dem Niederländischen befasst. „Was mir am meisten auffällt, das ist nicht so sehr der Wortschatz an sich, sondern die Form. Und zwar die Verkleinerungsform, die Diminutive. Das entspricht dem holländischen Volkscharakter. Eine Redewendung, die mir sehr gefällt, ist zum Beispiel ‚Doe maar gewoon, dan doe je al gek genoeg!‘. Das heißt also ‚Benimm dich normal, dann bist du schon verrückt genug‘. Also die Holländer hassen alles, was prätentiös ist.“

Der Hang zur Verniedlichung lässt sich an den Wortendungen ablesen, etwa in Redewendungen wie een glaasje op hebben. „Das würde man im Deutschen dann ein Bierchen nennen. Das Bierchen ist auch nicht kleiner als ein normales Bier. Aber es hört sich harmloser an.

Einfluss der Seefahrt

Viele Redewendungen stammen aus der Seefahrt: Wer (wenig schmeichelhaft) in jemandes Kielwasser unterwegs ist, für den gilt auch im Niederländischen in iemands kielzog varen. „Im 17. und 18. Jahrhundert war Holland die führende Seemacht in Europa und in der Welt sogar. Es gibt ja auch viele in Deutschland, aber nicht so viele wie in den Niederlanden.“

Und da viele Redewendungen volkstümlichen Charakters sind, geht es mitunter auch etwas derber zu. Met de billen bloot moeten. „Ja, met de billen bloot moeten – ja nun, das heißt (Farbe bekennen müssen), ‚De billen‘ sind die Arschbacken, also der Hintern.“

Und wie ist es hiermit? In de knel zitten. „Knellen heißt zwicken, also in de knel zitten – in der Patsche oder Klemme sitzen.“

Van een koude kermis thuiskomen. „Das ist wieder typisch holländisch. Es ist eine Kirchweih, eine Kirmes, wo es nichts zu essen gab, jedenfalls nichts Warmes zu essen.“

Und damit ist die Redewendung ein Ausdruck tiefer Enttäuschung. Das jedenfalls bleibt allen, die etwas für die niederländische Sprache übrig haben, erspart bei der neuen Fleißarbeit von Siegfried Theissen.

Stephan Pesch