Nachruf: Jacques Berndorf setzte die Eifel auf die Krimi-Landkarte

Im Alter von 85 Jahren ist der Krimiautor Jacques Berndorf verstorben, der mit bürgerlichem Namen Michael Preute hieß. Mit Büchern wie "Eifel-Blues" oder "Requiem für einen Henker" setzte er die Eifel, seine Wahlheimat, auf die Krimi-Landkarte. In der Folge wurde das Subgenre "Regionalkrimi" zu einer reinen Erfolgsgeschichte.

Jacques Berndorf (Bild: Ursus Samaga/KBV Verlag)

Jacques Berndorf (Bild: Ursus Samaga/KBV Verlag)

Zwei Dutzend Eifelkrimis hat er (neben vielem anderen) geschrieben – rund um den Protagonisten Siggi Baumeister, einen ständig getriebenen Journalisten aus dem Ruhrpott, trockenen Alkoholiker, der sich mit Mitte vierzig ein Bauernhaus in der Eifel kauft, Katzen liebt und Pfeife raucht – und auch sonst vieles gemeinsam hat mit seinem Schöpfer Jacques Berndorf.

Nach einer zunehmend turbulenten journalistischen Laufbahn über den „Duisburger Generalanzeiger“, die „Rheinische Post“ und „Quick“, später als freier Reporter in Krisengebieten verirrt sich der Weltenbummler Michael Preute, so sein bürgerlicher Name, 1984 in die Eifel: „Meine Familie in München war kaputt, zerstört. Ich bin zunächst nach Bonn gegangen, weil ich dahin gehörte als Journalist. Ich hatte sehr viel mit Bundestagsabgeordneten zu tun und auch mit der EU in Brüssel: Da lag Berndorf genau in der Mitte. Berndorf, das Dorf, wo ich zuerst zwölf Jahre gelebt habe.“

Blutige Geschichten

Von dem Dorf entlehnte er auch sein Pseudonym als Krimiautor: „Mein Verleger hat mich angerufen und gesagt: Du hast viele Bücher als Journalist geschrieben, Sachbücher über Drogen, über alte Leute, über soziologische Fragen. Du musst dich jetzt deutlich unterscheiden, wenn du Krimis machen willst. Da habe ich gesagt: Ok, ich lebe jetzt in Berndorf, dann nenne ich mich ‚Berndorf‘. Und drei Tage später hatte er den Vorschlag: Jacques – er war wohl in einer frankophilen Phase. Also wurde es Jacques Berndorf.“

Fortan schreibt er blutige Geschichten in diese Landschaft, lässt Mord und Totschlag Taten und ihre Aufklärung an Orten spielen, die hier bestens bekannt sind. Falls sich der Autor in der präzisen Beschreibung der Gegebenheiten mal zu viel Freiheit herausnimmt, weisen ihn die Leser zurecht.

„Lahmarschiger Betrieb“

Nun stellt sich beim Blick auf die Kriminalstatistiken die Frage: Wo nimmt einer so viel kriminelle Energie her in diesem verlorenen Landstrich? „Natürlich ist das hier nicht gefährlich. In der Realität sind wir ja sozusagen ein lahmarschiger Betrieb, was kriminelle Geschichten angeht. Aber es hat so ein paar Elemente, die ich ganz witzig finde. Erstens ist die Bevölkerung hier klein und hinterlistig. Ein Bergvolk. Dann haben wir hier eine wunderschöne Natur. Das heißt: Man kann auch zwischen diesen Menschen und der Natur unheimlich viel spielen lassen. Und das war im Grunde meine Idee.“

Jacques Berndorf hat sie zu einem Vorbild für andere Krimilandschaften gemacht und zu einem neuralgischen Zentrum für die ganze Film- und Fernsehkrimibranche. Zusammen mit seinem heutigen Verleger Ralf Kramp und mit dem Krimifestival „Tatort Eifel“, das im Herbst wieder mit einem Fachprogramm und mit spannenden Publikumslesungen wartet: „Hier findet das ganze Jahr über ein reger Austausch statt. Sie finden hier, in diesem winzigen Hillesheim, garantiert jeden Tag einen Autor, der recherchiert, der zusammenkommt mit Ralf Kramp usw. Wir wollten all diesen Schreibern und Planern einfach etwas Reales an die Hand geben.“

Jacques Berndorf ist nun am Sonntag in seinem Wohnort Dreis-Brück gestorben – mit 85. Er sei krank gewesen, sagte seine Frau und altersbedingt, „nach einem langen, so ereignisreichen Leben.“

Stephan Pesch