„Wie wir die Welt sehen“ – Die Perspektive auf Nachrichten schärfen

Die Reihe der schlechten Nachrichten scheint nicht abzureißen. Und je öfter wir sie hören, desto mehr schlagen sie auf unser Gemüt. Die Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel hat sich in dem Buch "Wie wir die Welt sehen" mit diesem Thema befasst.

Nachrichten (Illustrationsbild)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / maxkabakov

Viele Menschen sagen: „Ich kann die Nachrichten nicht mehr hören“ – Corona, Überschwemmungen und Ukraine. Ronja von Wurmb-Seibel ist selbst Journalistin und Nachrichten sind ihr tägliches Brot. Mit ihrem aktuellen Buch will sie die Perspektive auf die Nachrichten etwas schärfen.

Ronja von Wurmb-Seibel hat unter anderem aus Afghanistan berichtet. „Da war ich umgeben von sehr, sehr vielen schlechten Nachrichten. Ich habe schnell gemerkt, dass ich keinen Sinn darin sehe, ausschließlich die negativen Geschichten zu erzählen.“ Sie hat sich dann Gedanken gemacht, was helfen kann und was eine Perspektive sein kann, die zeigt, wie man da wieder herauskommt. „So hat das Ganze für mich angefangen.“

Die Journalistin hat festgestellt, dass zu diesem Thema auch schon viel geforscht worden ist. „Wenn wir ausschließlich negative Nachrichten berichten und nicht aufzeigen, wie wir da wieder rauskommen, kann das ein ganz großes Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Angst und im schlimmsten Fall Panikzustände und Depressionen bei den Konsumente verursachen.“

Das bedeutet nicht, dass man einfach wegschauen soll. Man sollte über Probleme sprechen, aber dann auch nach Ideen für Lösungen suchen. Ronja von Wurmb-Seibel hat gute Erfahrungen mit lösungsorientiertem, konstruktivem Journalismus gemacht. „Unsere Welt besteht ja nicht nur aus Problemen, sondern auch aus dem Bemühen, es besser zu machen. Herkömmliche Nachrichten bilden die Welt nicht ganz vollständig ab, sondern bilden vor allem den Teil ab, wo etwas schief geht.“

In ihrem Buch zeigt die Autorin für die Konsumenten von Nachrichten auch Wege auf. Es sei wichtig zu verstehen, dass Nachrichten nur ein Ausschnitt der Realität sind. „Das hat nichts mit ‚Lügenpresse‘ zu tun. Wenn wir in einer Nachrichtensendung von zehn bis 15 Minuten erklären wollen, was passiert ist, kann das nur ein Ausschnitt sein.“ Und meistens sind Nachrichten auf Probleme fokussiert. Deshalb sollte man Nachrichten als einen Fehlerbericht sehen: „Nachrichten zeigen uns nicht, was an einem Tag passiert ist, sondern sie zeigen mit ganz wenigen Ausnahmen, was an einem Tag schief gelaufen ist.“

Das Buch von Ronja von Wurm-Seibel liegt gerade auf Platz sechs der Spiegel-Bestseller-Liste. „Wie wir die Welt sehen“ ist erschienen im Kösel Verlag, hat 240 Seiten und kostet 18 Euro.

ar/est