Wann kommt der TikTok-Polizist?

Brauchen wir eine TikTok-Polizei? "Ja!", sagt ein Buchautor, der weiß, was es heißt, Polizist zu sein. Anfang des Jahres ist er in Rente gegangen.

Steven De Smet (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Steven De Smet (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Der ehemalige Genter Polizist Steven De Smet war in Flandern schon als „Superbulle“ bekannt. So wurde er in den Medien genannt. Zum einen, weil er quasi der Erfinder der Fahrradbrigade war, zum anderen ist er in Flandern und den Niederlanden bekannt als Autor der Polizeikrimireihe „Flikken“.

Das Buch, das er jetzt geschrieben hat, ist quasi eine Fortsetzung seiner Aktivitäten, denn darin geht es um die Zukunft der Polizei. Der Titel lautet „Quantumveilig„, also Quantensicher.

Der 65-Jährige ruft zu einer „dringend notwendigen Erneuerung“ der Polizei auf, die im digitalen Bereich hoffnungslos hinterherhinke. Sein Vorwurf: Es sei immer noch nicht möglich, eine Beschwerde über soziale Medien einzureichen, obwohl das das Kommunikationsmittel unserer Zeit sei. Er will nicht nur Polizeipräsenz auf der Straße, sondern auch in der digitalen Welt.

Polizei droht, ins Abseits zu geraten

Er sagt, „gerade für junge Menschen sind die sozialen Medien zum wichtigsten Kommunikationsmittel geworden“. Die Polizei müsse sich deshalb anpassen, um nicht ins Abseits zu geraten. In sozialen Medien komme die Polizei wieder näher an die Menschen heran. Dadurch können sie auch sehen, was so alles vor sich geht.

Das sei nicht mal Utopie. Ein aktiver Polizeikollege mache das bereits. David Stevens ist Hauptinspektor der Fahrradbrigade in Brüssel. Die Tatsache, dass er über die sozialen Medien wie TikTok leicht zugänglich und ansprechbar ist, macht den Brüsseler „Fahrradpolizisten“ sehr beliebt, obwohl die Fahrradbrigade viele Bußgelder verhängt.

Es brauche eine größere Polizei-Reform

Der Polizist wird so vielleicht leichter zu erreichen sein. Aber die Sicherheitsprobleme werden nicht plötzlich verschwinden, wenn die Polizei auf Facebook aktiver wird. Für Steven De Smet ist das nur ein Beispiel. Aber letztendlich brauche es eine größere Reform. Er nennt als Beispiel den Kampf gegen die Internetkriminalität.

Derzeit sei das digitale Know-How auf den Zoll, die Wirtschaftsinspektion, die Landesverteidigung und andere Polizeidienste verteilt. De Smet schlägt vor, das Wissen zusammenzuführen und effizienter zu werden. Er wünscht sich nur eine einzige, aber gut funktionierende digitale Plattform, an die sich alle Opfer und Bürger mit ihren Fragen und Problemen wenden können.

So eine Umstrukturierung kostet eine Menge Geld. Dabei gehen die Einsparungen bei der Polizei aber weiter. Ex-Polizist De Smet ist davon überzeugt, dass nicht mehr Polizisten eingestellt werden müssen, um das Ziel zu erreichen.

Veraltetes System

Aber so, wie die Polizei als Organisation jetzt strukturiert ist, stamme das System noch aus dem Industriezeitalter. Es gebe zu viel Bürokratie oder unnötige Kontrollquoten, die zu erfüllen seien. Besser wäre, wenn Lokal- und Kriminalpolizei eigenständige Einheiten werden, die selber entscheiden, wofür sie sich engagieren wollen.

Zudem könnten andere Regierungsbehörden Aufgaben übernehmen, für die die Polizei eigentlich nicht mehr gebraucht wird. Es gibt ja automatische Blitzer und überhaupt sei es nicht nötig, dass Geschwindigkeitskontrollen von der Polizei realisiert werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

De Smet begann seine Karriere 1978 als Stadtpolizist und wurde später Polizeichef und Sprecher der Genter Polizei. Er war auch zeitweilig Koordinator der Genter Festivitäten. Sein erstes Buch, „De nieuwe politie“, veröffentlichte er 2012.

hln/lannoo.be/mz