„Frostmond“: Aachener Autorin schreibt Krimi über Verbrechen an indigenen Frauen in Kanada

Die Aachener Autorin Frauke Buchholz widmet sich in ihrem Kriminalroman "Frostmond" der indigenen Bevölkerung Kanadas. Im Zentrum steht das Verschwinden junger Frauen aus Cree-Reservaten, deren Schicksal nie ganz aufgeklärt wurde.

Aachener Autorin Frauke Buchholz in Kanada

Aachener Autorin Frauke Buchholz (r.) in Kanada (Bild: privat)

Erst 15 Jahre war sie – die junge Indianerin aus dem abgelegenen Cree-Reservat, mit deren Mordfall der Ermittler Ted Garner befasst ist. Jeanette verschwand auf dem berühmt-berüchtigten „Highway of tears“ und wurde Wochen später tot in Montreal aufgefunden.

Der „Highway of tears“ (Straße der Tränen) ist ein Teil des Transcanada-Highways, der sich über 1.400 Kilometer durch Kanadas Westen erstreckt. Berühmt-berüchtigt ist er, weil dort in den letzten Jahrzehnten immer wieder junge indigene Frauen verschwunden sind, die ihr Zuhause im Reservat verlassen haben in der Hoffnung, in der Stadt ein besseres Leben zu finden.

„Diese Mädchen sind meistens nie mehr aufgetaucht, und man hat der kanadischen Polizei Vorwürfe gemacht, dass sie den Fällen nicht nachgehen“, erklärt Krimiautorin Frauke Buchholz.

„Es gibt auch weitere Abschnitte des Transcanada Highways und auch im übrigen Kanada, wo ganz viele indigene Frauen verschwunden sind und auch da sind die Fälle nicht aufgeklärt. Es gibt indigene Opferverbände und auch Amnesty International, die von einer Dunkelziffer von Hunderten Frauen und Mädchen ausgehen.“

Frauke Buchholz ist mit den Verhältnissen der indigenen Kultur Kanadas vertraut. Schon als Studentin bereiste sie das Land, besuchte Reservate und lebte eine Zeit in einem Cree-Reservat in Alberta. Dort wuchs ihre Begeisterung für die indigene Kultur der Indianer, die so ganz anders sei als die nordamerikanische.

„Die Lebendigkeit der Tradition, die Verbundenheit mit dem Land, die große Familienzusammengehörigkeit, die Herzlichkeit, die Gastfreundschaft und auch der unglaubliche Humor haben mich damals ganz stark fasziniert. Bis heute hat mich das sehr beeindruckt, denn die Lebensverhältnisse sind mehr als ärmlich, und viele haben harte Schicksale erlitten.“

Einen Eindruck davon vermittelt „Frostmond“. Der Kriminalroman beschreibt nicht nur die schwierigen Lebensverhältnisse der indigenen Bevölkerung mit Armut, hoher Arbeitslosigkeit, Drogen- und Alkoholsucht, er spiegelt auch die Schwierigkeiten des Zusammenlebens in Kanada, einem Konglomerat unterschiedlicher Kulturen.

Dazu gehört auch das gespannte Verhältnis zwischen Anglo- und Frankokanadiern, das geprägt ist von Unverständnis und Vorurteilen – wie bei den beiden Hauptermittlern in „Frostmond“. „Wir haben diesen angloamerikanischen Profiler Ted Garner aus dem Westen, der anders denkt und handelt als der ermittelnde Sergeant Le Roux aus Montreal. Und dann haben wir den dritten „Ermittler“, das ist der Cousin des ermordeten Mädchens, ein junger Cree-Indianer, und da kommt eben die Komponente der Indigenen in Kanada ins Spiel, und auch da bestehen sehr viele Vorurteile in beide Richtungen.“

Frauke Buchholz gelingt es, sich in die verschiedenen Perspektiven hineinzuversetzen, und nimmt den Leser mit auf eine spannungsgeladene Reise in ihr Traumland Kanada. Dabei beschönigt sie nichts. Sie verbindet Fakten und Fiktion zu einem hintergründigen und packenden Kriminalroman, in dem die Faszination der kanadischen Landschaft und die tiefe Beziehung ihrer Ureinwohner zur Natur im Kontrast stehen zur rauen sozialen Wirklichkeit Montreals mit seiner ausbeuterischen Clubszene, Drogenhandel und Prostitution.

Das Thema habe sie schon lange gepackt, sagt Frauke Buchholz. Daraus einen Kriminalroman zu machen habe sich aber eher zufällig ergeben. „Im Nachhinein habe ich aber festgestellt, dass der Krimi als Unterhaltungsgenre die Möglichkeit bietet, ein sehr breites Publikum zu erreichen. Und das ist super für dieses doch sehr schwierige Thema.“

„Wenn man eine Dokumentation darüber schreiben würde oder einen anderen Roman, würde man nie so viele Bevölkerungsschichten erreichen wie mit einem Krimi. Und das freut mich sehr, denn ich finde das ist ein sehr wichtiges Thema.“

Michaela Brück