Nachts allein im Ozean: Buch von Extremschwimmer André Wiersig

"Wenn man mal selber mitten in der Nacht, draußen im Ozean, mit dem Kopf in eine Plastiktüte geschwommen ist, bekommt man eine ganz andere Einstellung zum Schutz der Meere", sagt Extremschwimmer André Wiersig. Der Deutsche ist einer von nur 20 Menschen auf der ganzen Welt, die die sogenannten Oceans Seven bisher geschafft werden.

André Wiersig: Nachts allein im Ozean (Cover: Verlag Eriks Buchregal)

André Wiersig: Nachts allein im Ozean (Verlag Eriks Buchregal)

In seinem Buch „Nachts allein im Ozean. Mein Weg durch die Ocean’s Seven“ erzählt Wiersig, wie er sich auf die sieben berühmtesten Meerengen der Welt vorbereitete und wie er im Takt der stundenlangen Armschläge, teils nachts und ganz allein auf sich gestellt, den offenen Ozean kennen und lieben lernte.

Sechs Jahre dauerte es, bis der Familienvater und Manager den Ärmelkanal, den Catalina Channel (Los Angeles), den Kaiwi Channel (Hawaii), den North Channel (Schottland), die Tsugaru Strait (Japan), die Cook Strait (Neuseeland) und die Straße von Gibraltar durchquerte. Dabei begegnete er Haien, Delfinen, Walen, Plastikmüll und Europaletten. In dieser Zeit wurde Wiersig zum Botschafter der Ozeane und der Deutschen Meeresstiftung.

„Der Reiz war für mich, in der Natur in ihrer reinsten Form zu sein. Die Idee mit dem Ärmelkanal und dem ganzen Projekt kam eigentlich erst später. Mir ging es erstmal darum, bei Temperaturen im Meer in Badehose zu schwimmen, wo andere vielleicht nicht mehr ins Wasser gehen“, erzählt Wiersig.

„Man kann darauf hintrainieren. Man darf sich nicht abschrecken lassen, muss aber – und das ist die Bedingung – diese Komfortzone verlassen, in der wir alle leben. Wir haben es heute kuschelig warm, warme Kleidung, warmes Wasser. Diese Komfortzone muss man verlassen und dann ist man in der Lage, auch bei solchen extremen Temperaturen so lange da draußen in der Badehose unterwegs zu sein.“

Unter anderem hat André Wiersing drei Jahre lang nur kalt geduscht und eine Regentonne draußen aufgestellt, in die er in regelmäßigen Abständen hineinstieg, um seine Abwehrkräfte zu trainieren. „Ich habe trotzdem hin und wieder eine Erkältung, allerdings seltener als früher. Vielleicht ist das der Grund. Was sich aber auf jeden Fall geändert hat: Ich friere nicht mehr so schnell. Ich laufe noch ohne Jacke draußen herum, wenn andere schon die Daunenjacke, zwei Schals und Mütze anhaben.“

„Unsere Vorfahren – wenn man mal ein paar hundert Jahre zurückgeht – waren auch deutlich abgehärteter, allerdings aus der Not heraus. Aber sich ein Stück weit wieder dahin zu entwickeln, ist vielleicht gerade in der Corona-Zeit mit den ganzen Ansteckungen eine gute Idee für uns alle. Man muss es nur wollen.“

Die Schwimmabenteuer von André Wiersig sind erschienen im Verlag Eriks Buchregal auch als Hörbuch im Supposé-Verlag.

ar/km