Belgier lesen immer weniger

Der Buchsektor hat seinen Jahresbericht 2018 veröffentlicht, und darin enthalten sind auch die Schlüsselzahlen zum frankophonen Büchermarkt. Das Ergebnis ist widersprüchlich: Auf der einen Seite ist die Zahl der Bücher in französischer Sprache gestiegen, auf der anderen Seite schrumpft die Zahl der Leser.

Kind beim Lesen

Illustrationsbild: Pixabay

In der Wirtschaftslehre spricht man von einem echten Angebotsüberhang – und das macht den Verlagen auch definitiv Sorgen. Benoit Dubois, der Vorsitzende des Vereins der frankophonen Verleger Adeb, findet dafür klare Worte, nachzulesen am Dienstag in der Tageszeitung „Le Soir“. Er hat Angst, dass die Branche vor dem Untergang steht, weil die Leser wegbrechen.

Einer Studie des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos zufolge bezeichnen sich 85 Prozent der Befragten als Leser. „Das wär ja schön, wenn es so wäre“, so Dubois. Allerdings müsse man schon mal 20 Prozent davon abziehen, so hoch ist nämlich angeblich die Zahl der Analphabeten in Belgien. Damit ist der Anteil der Menschen, die überhaupt als Leser in Frage kommen, schon auf 80 Prozent reduziert. Und wenn man mit diesem reduzierten Anteil rechnet, dann ist die Zahl der Leser in Belgien natürlich wesentlich geringer.

Nicht-Leser auf dem Vormarsch

Hinzu kommt: Ein Großteil der Befragten liest zwar irgendetwas, aber eben keine Bücher. Wenn man die auch noch herausrechnet, dann bleiben am Ende 50 Prozent der Bevölkerung übrig, die noch Bücher lesen.

Dass das nur ein vorübergehender Trend ist, davon ist nicht auszugehen. Die Zahl der Kinder, die die Primarschule verlassen, ohne richtig lesen zu können, liegt mittlerweile bei 35 Prozent, so der Verleger-Präsident. Der Anteil der Nicht-Leser wird also weiter zunehmen. Das ist nicht nur eine Gefahr für das Verlagswesen, sondern auch für die Bildung und die Kultur – und letztlich auch für unsere Demokratie. Ohne richtiges Leseverständnis kann man schließlich Fakten und Fake News nicht auseinanderhalten.

Export und Comics

Weniger Bücher werden dafür aber noch lange nicht veröffentlicht. Die Produktion ist stabil, das gilt auch für die Umsatzzahlen. Das liegt aber vor allem an zwei Dingen: am Export und an den hohen Verkaufszahlen bei Comics – die machen allein schon die Hälfte vom Umsatz aus, nämlich knapp 80 Millionen Euro.

Ein Großteil der französischsprachigen Bücher – rund 65 Prozent – gehen ins Ausland, nach Frankreich, in die Schweiz und nach Kanada. Dasselbe gilt für die Comics.

soir/sh/mg

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