Welttag der Buchliebhaber: Leseratten sterben nicht aus

Der 9. August ist der Tag der Buchliebhaber. Die meisten wissen gar nichts davon, auch die professionellen Experten zeigten sich überrascht. Für sie ist jeder Tag ein Tag des Buches und der Leser.

Dr. Walter Vennen und Barbara Hoppe-Vennen

Dr. Walter Vennen und Barbara Hoppe-Vennen in der Buchhandlung Schmetz in Aachen (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Hermann Hesse, der deutsch-schweizerische Schriftsteller, traf es auf den Punkt: „Es ist mit dem Lesen wie mit jedem anderen Genusse: Er wird stets desto tiefer und nachhaltiger sein, je inniger und liebevoller wir mit ihm umgehen“, sagte er.

Am Tag der Buchliebhaber sollte diese Einsicht mehr denn je gelten. Ein gutes Buch, vielleicht sogar einen alten Klassiker zur Hand nehmen, womöglich das Lieblingsbuch, und sich darin vertiefen. Was kann es Schöneres geben?

Der Aachener Buchhändler Dr. Walter Vennen hat eine genaue Vorstellung davon, was einen Buchliebhaber ausmacht: „Buchliebhaber sind in meinen Augen Menschen, die in der Lage sind, sich in eine Geschichte hineinfallen zu lassen. Und die in dieser Geschichte mitleben und miterleben wollen und die im besten Sinne darüber die Zeit vergessen können.“

Rainer Thiemann, Inhaber zweier Buchhandlungen in St. Vith und Eupen, unterscheidet den Buchliebhaber eher leichterer Kost und den, der sich gerne mit anspruchsvollerer Literatur befasst: „Buchliebhaber ist ein interessanter Begriff, weil er sich ein bisschen aufteilt. Es gibt eine ganze Reihe schöner Literatur, die nicht ganz so anspruchsvoll ist. Ich denke an Liebesromane, an historische oder erotische Romane. Das ist das, was die Mehrheit heute gerne liest und wo man sich auch gut bei entspannen kann.“

„Die andere Seite ist eher der literarisch anspruchsvolle Roman. Aber dessen Marktanteil ist nicht so hoch, dass Buchhandlungen in unseren Gefilden davon wirklich leben könnten. Wenngleich auch diese Bücher innerhalb eines Tages zu erhalten sind. Das ist kein großer Aufwand.“

In der Buchhandlung Schmetz in Aachen (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Bild: Rudi Schroeder/BRF

Flucht aus dem Alltag

Wie angesagt sind heute noch das Buch und das Lesen, gerade in Anbetracht der wachsenden Konkurrenz durch andere und neue Medien? „Die Zeit, die fürs Lesen im Medienkonsum aufgewendet wird, wird kleiner. Die Leute teilen sich anders auf die Medien auf“, erklärt Walter Vennen. „Unsere Erfahrung in unserer Buchhandlung ist, dass die dem klassischen Buch zugeneigten Menschen vermehrt lesen, sich tatsächlich mehr Bücher holen und die stille Zeit genießen, die sie mit dem Buch zusammen verbringen können – als kleine Flucht aus dem hektischen Alltag.“

„Die neuen Medien, sprich E-Books, zähle ich aber zum Lesen dazu. Das ist ja gar nichts anderes. Ich habe etwas, wo ein Text draufsteht, und in den versenke ich mich. Ob das jetzt in elektronischer Form oder in gedruckter Form ist: das Erlebnis und der Wunsch, den man sich damit erfüllt, das ist für mich das Gleiche.“

Das E-Book hat in Deutschland einen Anteil von 20 Prozent am Büchermarkt. Oft ersetzt es das Taschenbuch. „Die Menschen, die täglich mit dem Buch zur Arbeit pendeln müssen, hatten früher alle ihr Taschenbuch in der Tasche. Jetzt haben die den Reader, und der ist einfacher zu transportieren.“

Zukunft des Buchs

Walter Vennen ist indes überzeugt davon, dass das klassische Buch Zukunft hat. „Da kommen jetzt gestalterische Aspekte rein, das Haptische des Buches. Es gibt unheimlich schön gemachte Bücher, wo man unheimlich Freude hat, wenn man das Buch in die Hand nimmt, wenn man es aufschlägt, das Papier fühlt und riecht. Das macht Freude und wird auch stark gesucht.“

Rainer Thiemann ist fest davon überzeugt, dass trotz allen Wandels das Buch und der Buchhandel eine Zukunft haben, eine gute am besten: „Das glaube ich auf jeden Fall. Es hat schon immer Bedrohungen für den Buchhandel gegeben. Als das Fernsehen eingeführt wurde, hat man gesagt, es wird nicht mehr gelesen, jetzt wird nur noch Fernsehen geschaut. Das stimmt alles nicht.“

„Ich habe von einer Untersuchung gelesen, die besagt, dass schon in den 1920er-Jahren ungefähr ein Drittel der Bevölkerung gelesen hat. Und dieser Anteil hat sich im Laufe der Jahrzehnte in ziemlich ähnlichem Umfang erhalten“, so Thiemann.

Rudi Schroeder

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