Taschenliebe: Literarisches Lesebuch über eine Leidenschaft

Die Beziehung zu Taschen ist so vielfältig wie das Angebot und nicht nur für Männer ein Mysterium. Auch "Taschenliebe" gibt keine Antworten, aber enthält viele Geschichten über eine besondere Leidenschaft.

Manuela Reichart: Taschenliebe - Ein literarisches Lesebuch

Geschleppt bis zum Zerfall, gestohlen und doch wiedergefunden oder begehrt ein ganzes Leben: Taschen hat Frau nie genug, so die weitläufige Meinung. Diese Art der Leidenschaft leben viele, zuweilen fast als Manie, stets das zum Outfit passende oder angesagteste Modell zu haben.

Die Behältnisse, in denen eine Frau Nützliches, Brauchbares, Unverzichtbares und oft auch Überflüssiges mit sich trägt, sind sogar eine Investition in die Zukunft – wenn sie Namen wie Birkin Bag oder Lady Dior tragen. Aber auch eine currygelbe omahafte Umhängetasche kann zum Objekt der Begierde werden, wie in Manuela Reicharts Buch „Taschenliebe“ nachzulesen ist.

Die Berliner Radiomoderatorin und Autorin hat 19 Frauen – darunter eine Schriftstellerin, eine Publizistin, eine Philosophin, eine Regisseurin und eine Filmemacherin – nach ihrer Taschen-Geschichte gefragt. „Es gab nur sehr wenige Autorinnen, die meinten, ihnen fiele nix zum Thema ein“, berichtet sie von den Reaktionen. Eine hatte nach dem Tod ihrer Mutter rund 100 Taschen und Täschchen gefunden – und schreibt über einen Jungen, der dank seines Faibles dafür Karriere machte.

In Reicharts 214-seitigen Taschenbuch tummeln sich die „Handtaschenträgerin von Format“, für die die immer gleiche schwarze Rucksacktasche ihr Ein und Alles ist, eine Autorin, die ihrer während einer Rauchpause auf dem Bahnsteig mit dem ICE entglittenen Handtasche durch halb Nordrhein-Westfalen hinterher fährt oder eine Frau, die nach einem fast berauschenden Abend mangels Handtasche obdachlos durch die Nacht irrlichtert und der verloren geglaubten Tasche nachweint – bis zum Morgen.

Reichart selbst gehört zu den monogamen Taschenträgerin. „Ich trage immer dieselbe, bis sie auseinanderfällt.“ Nur abends kommt eine kleine Zweitliebe zum Tagen. Die von ihr gesammelten Geschichten über Taschen und ihre Inhalte, Erinnerungen an gefürchtete und geliebte Taschen, an verlorene und wiedergefundene, an bedrohliche und ersteigerte Taschen zeugen von vielfältiger Leidenschaft – zwischen Ablehnung und Faszination.

„Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass Designertaschen heute als allerbeste Anlage gelten“, sagt Herausgeberin Reichart über den Anstoß zu diesem Buch. Frauen kaufen etwa eine – irrwitzig teure – Birkin Bag, schließen sie in den Safe ein und bezahlen damit 20 Jahre später die Ausbildung ihrer Tochter. „Verrückt: Luxustaschen statt Aktien“, so steht es in ihrem Vorwort.

Manuela Reichart: Taschenliebe – Ein literarisches Lesebuch
btb Verlag München, ISBN 978-3-442-75704-6

Von Simona Block, dpa - Cover: btb

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