Aachener Chaostheater zeigt „American History X“

Die jüngsten Ausschreitungen von Hooligans und Neonazis in Köln haben es wieder vor Augen geführt: Rechtsradikalismus ist mitten unter uns. Das thematisiert auch ein Theaterstück, das am Wochenende in Aachen Premiere feierte.

Aachener Chaostheater zeigt "American History X"

Aachener Chaostheater zeigt "American History X"

Zu seinem zehnjährigen Bestehen führt das Chaostheater die „American History X“ auf, eine Bühnenfassung des gleichnamigen US-Films aus dem Jahr 1998. Derek Vinyard hat eine dreijährige Haftstrafe wegen Mordes verbüßt und steht seiner Mutter gegenüber. Der einstige Neonazi hat den Tod von zwei Afroamerikanern auf dem Gewissen. Jetzt hat er sich von der rechtsradikalen Szene abgewandt und will seinen jüngeren Bruder Danny vor der menschenverachtenden Ideologie bewahren.

In Rückblenden gewinnt der Zuschauer Einblicke in die Vergangenheit der beiden Brüder, in ihre Familiengeschichte und ihre Entwicklung zu Rassisten und Rechtsradikalen. Der Regisseur Reza Jafari hat den Film „American History X“ als Vorlage für sein Theaterstück genommen, das er zusammen mit der Co-Autorin Leili Novi verfasst hat. Das Thema „Rassismus“ liegt dem Iraner auch persönlich am Herzen.

Auch viele Darsteller des Chaostheaters kommen aus Migrantenfamilien, was die Inszenierung um so authentischer macht. Die rund 20 Amateure werden von professioneller Seite unterstützt: Die Aachener Musiker Pascal Fricke und Thomas Hoffmann begleiten das Ensemble. Zusammen mit der jungen Sängerin Lucy Schröder verbinden sie die Theaterszenen musikalisch.

Reza Jafari lässt seine Figuren auf einem Schachbrett agieren. Vielschichtige Figuren, die sich mal grausam und brutal verhalten, dann aber auch wieder schwach und verletzlich zeigen. Derek ergreift seine Chance und wendet sich vom Rechtsradikalismus ab. So wie er sind alle Figuren im Stück gleichzeitig Täter und Opfer.

„Wie werden Menschen zu Rassisten? Was führt sie in den Rechtsradikalismus? Welche Verantwortung trägt der Einzelne, die Gesellschaft?“ Die Szenenbilder – gezeichnet von Arta Davari – zeigen kopflose und hirnlose Menschen. Reza Jafari fordert die Zuschauer zum Nachdenken auf.

Reza Jafari hat bereits ein Dutzend Stücke für das Aachener Chaostheater inszeniert. Immer wieder geht es um gesellschaftliche Problemthemen: Diskriminierung, Missbrauch, Gewalt und Rassismus. Die „American History X“ zeigt das Chaostheater noch in sieben weiteren Aufführungen – bis zum 23. November im Bürgerzentrum St. Fronleichnam in Aachen.

Bild: Chaostheater Aachen

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