Die Pariser Notre-Dame wird in ihrem Jubiläumsjahr nicht nur neu glänzen. Mit 12.000 geputzten Orgelpfeifen und neuen Glocken will das Gotteshaus auf der Île de la Cité nun auch weit über die Seine hallen.
«Das wird bewegend sein. Wir werden damit wieder denselben Klang haben wie vor der Revolution», sagte der Rektor der Kathedrale Patrick Jacquin.
In der weltberühmten Kathedrale wurden die Eingeweide Ludwig XIV. beigesetzt, Franz II. mit Maria Stuart getraut und große Messen zelebriert. Am Mittwoch wird mit viel Pomp der Auftakt zum 850. Geburtstag von Notre-Dame gefeiert.
40 Bischöfe, 400 Priester, 230 Seminaristen und 100 Diakone werden an der Messe teilnehmen, die von Kardinal André Vingt-Trois gehalten wird, dem Erzbischof von Paris. In Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten wird auf dem Vorplatz am selben Tag der «Jubiläumsweg» eingeweiht. Er führt in die Geschichte der Kathedrale ein, deren Grundstein im Jahr 1163 gelegt wurde und die mehrmals geplündert und verwüstet wurde.
Der Parcours besteht aus acht Etappen, darunter dem Altar, den Kirchenfenstern und dem Pfeiler am Choranfang, an dem der Dichter Paul Claudel am 25. Dezember 1886 durch ein Erweckungserlebnis zum katholischen Glauben bekehrt worden sein soll. Bis zum 24. November 2013 wird gefeiert. Auf dem Programm stehen Konzerte, Ausstellungen und Kolloquien. Unter dem Titel «Notre-Dame de Paris, la grâce d'une cathédrale» wird ein Kunstbuch über das Meisterwerk der Gotik erscheinen.
Glockenklang
Die 12.000 von Experten gereinigten Orgelpfeifen, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen, werden erstmals am Mittwochabend erklingen. Auf den Glockenklang müssen Gläubige und Touristen jedoch noch etwas warten. Die neun neuen Glocken werden erst ab 23. März 2013 ihr Geläut erklingen lassen. Um ihnen Platz zu machen, mussten vier alte abgehängt werden. «Die Glocken stammten aus dem Jahr 1856 und waren aus schlechtem Material», erklärte Jacquin. Nach Meinung von Experten klangen Angélique-Françoise, Antoinette-Charlotte, Hyacinthe-Jeanne und Denise-David falsch und seien weder untereinander noch mit Emmanuel im Einklang gewesen.
Emmanuel ist der Star der Kathedrale: Sie wird als die wohlklingendste Glocke Frankreichs gerühmt. Mit ihrer gewaltigen Masse von 13.000 Kilogramm gehört sie zu den größten und bedeutendsten Kirchenglocken Europas. Sie hat die Wirren der Revolution überlebt und wurde nicht eingeschmolzen und zu Waffen verarbeitet so wie andere Notre-Dame-Glocken. Sie hängt im Südturm des Gotteshauses, während die vier anderen Glocken im Nordturm ihren Platz hatten.
Wer die Kirche selbst nicht kennt, kennt zumindest den berühmten Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo, jenen hässlich-guten Quasimodo, der sich in die schöne Esmeralda verliebt. Ein bedeutender Teil des Romans spielt in den Türmen, wobei die Glocken einen besonderen Part haben. Dem 1831 erschienenen Roman hat die Notre-Dame nicht zuletzt ihre umfassende Restaurierung im Jahr 1845 zu verdanken. Hugo machte in seiner romantisch-unheimeligen Liebesgeschichte auf die Baufälligkeit der Kathedrale aufmerksam und nahm später auch an der Renovierungskampagne teil. Unter der Leitung von Eugène Viollet-le-Duc wurden unter anderem die beschädigten oder fehlenden Skulpturen ersetzt und ein neuer Dachreiter errichtet, der nun 90 Meter in die Höhe ragt.
Heute besuchen jedes Jahr 14 Millionen Besucher die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Kathedrale im Stil der Früh- und Hochgotik. Sie steigen die 69 Meter hohen Türme hoch, in denen Emmanuel und seine neuen Schwestern und Brüder - Denis, Marcel, Maurice, Anne-Geneviève, Jean-Marie, Benoît-Joseph, Étienne, Gabriel und Marie - so klingen werden wie vor der Revolution.
dpa - Bild: Patrick Kovarik (afp)