Bis vor wenigen Tagen schwebte noch ein Fragezeichen über dem ambitionierten Installationsvorhaben «Karl Marx».
Nachdem aber die Kulturstiftung Trier sowie weitere Sponsoren ihre finanzielle Unterstützung des Kunstprojekts zugesichert haben, ist die mit rund 80.000 Euro veranschlagte Installation nun «grundfinanziert», wie es der Trierer Kunstagent Christoph Maisenbacher gegenüber der DPA formuliert. Dem multiplen Karl-Marx-Auftritt an prominentester Stelle inmitten der Trierer Fußgängerzone steht demnach nichts mehr im Wege.
Vom 5. Mai an, dem Geburtstag des in Trier geborenen Philosophen (1818-1883), wird die Installation drei Wochen lang die Aufmerksamkeit erregen. Rund um die Porta Nigra postiert sich das knapp ein Meter hohe, im Schleudergussverfahren in einem Spezialbetrieb bei Coburg hergestellte Vinyl-Marx-Modell in 500-facher Ausführung. Bei der Gestaltung der Figur orientiere sich Hörl «an dem klassischen Bild von Karl Marx, so, wie er sich in seiner Zeit präsentierte». «Möglichst neutral, ohne Wertung», solle die Umsetzung seines Entwurfs wirken.
Während Hörl über die Farbe der Figur noch nicht entschieden hat - «Rot liegt nahe und finde ich ganz gut, könnte mir aber auch ein aktives Grau vorstellen» - ist die Figur längst skizziert. Karl Marx mit seinem Charakterkopf, der hohen Stirn und dem Rauschebart, mit ernstem Blick, in Anzug und mit Hut in der Hand, wird die Menschen an der Porta Nigra stumm begrüßen. Und das gleich 500 Mal. Denn das Multiple hat System bei Ottmar Hörl.
Mit entsprechenden Installationen im öffentlichen Raum macht er seit Jahren bundesweit von sich reden - zuletzt im Frühsommer 2012 in der Rosenstadt Zweibrücken. Dort installierte Hörl für zwei Wochen 1000 überlebensgroße rote Rosen auf dem Herzogplatz. Seine Installation mit 1250 Zwergen, die 2009 auf dem Straubinger Ludwigsplatz den Hitlergruß zeigten, provozierte Diskussionen. Das Serielle ist für Hörl Programm. «Die Wiederholung ist für den Betrachter in der Tat erholsam und führt zu inhaltlicher Dringlichkeit».
Vielleicht nicht gerade dringlich, aber durchaus eine Herzensangelegenheit ist dem Künstler die Auseinandersetzung mit Karl Marx. Mit ihm verbinde den Alt-68er, wie Hörl sich selbst bezeichnet, ein «prinzipielles Interesse». Provozieren wolle er mit der Installation in Trier ebenso wenig wie beispielsweise mit den viel diskutierten Hitlergruß-Zwergen. Die Figuren sind vielmehr Impulsgeber. Er wünsche sich, dass bei den Menschen über diese Installation das Interesse geweckt werde, über Karl Marx zu lesen.
Nicht seine Ideologie, sondern die bildliche Darstellung von Karl Marx in all ihren Facetten soll bereits ab dem 17. März 2013 die Sonderausstellung «Ikone Karl Marx. Kultbilder und Bilderkult» im Stadtmuseum Simeonstift an der Porta Nigra zeigen. Erstmals überhaupt wird mit dieser umfassenden Schau mit ihren sieben thematischen Blöcken und rund 140 Leihgaben aus unterschiedlichen Ländern dokumentiert, wie sich Karl Marx von der politischen Ikone zur Werbe-Ikone entwickelt hat.