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"Jenny Montigny" – Kunst, die den Tag gut beginnen lässt

23.10.202614:31
  • Ostflandern
Bild: Boris Schmidt/BRF

Es gibt Künstler, die zu Lebzeiten zwar relativ bekannt und erfolgreich sind, die dann aber aus dem einen oder anderen Grund aus dem Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verschwinden. Dieses Schicksal hat auch die flämische Impressionistin Jenny Montigny ereilt, obschon sie gerade für den belgischen Luminismus eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Es ist nicht etwa so, dass Jenny Montigny komplett in Vergessenheit geraten wäre. Ihre Arbeiten haben immer ihre Anhänger gehabt beziehungsweise ihre Sammler. Gewisse ihrer Werke seien gerade in Flandern auch relativ prominent, erklärt Ausstellungskurator Johan De Smet.

Dazu gehört etwa das großformatige Gemälde "Die Begonien", auch bekannt als "Der Gärtner". Dabei handelt es sich um ein prachtvolles, vor warmen und leuchtenden Farben geradezu explodierendes Blumenmeer.Dazu zählen auch verschiedene Bilder, die Kinder auf dem Land zeigen beziehungsweise in oder um Schulen. Bilder, die zumindest vordergründig eine gewisse ländliche Idylle zeigen zu Zeiten des frühen 20. Jahrhunderts.

Aber die künstlerische Tätigkeit von Montigny erstreckte sich über rund 40 Jahre und sollte nicht auf diese wenigen Arbeiten beschränkt werden. Deswegen will die Ausstellung im Museum der Schönen Künste herausarbeiten, wie facettenreich und vielfältig ihr Gesamtwerk in Wirklichkeit ist.

Das Publikum soll die Künstlerin Jenny Montigny auf neue und auch unerwartete Art und Weise kennenlernen. Dafür zieht das Museum alle Register. Neben den erwähnten impressionistischen Werken beziehungsweise Schuldarstellungen hat Montigny, die während der deutschen Besatzung im Ersten Weltkrieg wie so viele Belgier nach Großbritannien fliehen musste, nämlich zum Beispiel verwundete Soldaten im Krankenhaus gezeichnet. Aber gleichzeitig malte sie sehr farbenfrohe Szenen zum Beispiel aus öffentlichen Parks und Gärten, auf denen überhaupt nichts vom Krieg zu spüren ist. Später beschäftigte sie sich, ungewöhnlich für ihre Zeit, intensiv mit der Darstellung von Mutter-Kind-Beziehungen. Und Montigny hatte auch eine ausgesprochene Leidenschaft für Blumen, die sie in beeindruckenden und vor allem lebendigen Stillleben verewigte.

Montigny war also eine Künstlerin mit sehr vielen Gesichtern. Sie war eine Frau, die im Lauf ihrer langen Karriere auch aufmerksam die Weiterentwicklung der Kunst verfolgte. Dabei war sie aber eben nicht nur passive Beobachterin, sondern spielte durchaus auch eine Rolle.

Es gebe auch eine gewisse Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der damaligen Kunstszene in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und der Realität, hebt der Kurator hervor. Die Bedeutung der Expressionisten und Surrealisten werde in diesem Zusammenhang oft überbetont. In Wirklichkeit seien Künstler wie Montigny auch in dieser Periode weiter populär und erfolgreich geblieben - zumindest bis zu den Krisenjahren der späten 1920er und 1930er.

Montigny Ausstellung in Brüssel
Bild: Boris Schmidt/BRF
MSK zaalbeelden Jenny Montigny
Bild: Martin Corlazzoli
MSK zaalbeelden Jenny Montigny
Bild: Martin Corlazzoli
MSK zaalbeelden Jenny Montigny
Bild: Martin Corlazzoli
Montigny Ausstellung in Brüssel
Bild: Boris Schmidt/BRF
MSK zaalbeelden Jenny Montigny
Bild: Martin Corlazzoli

Mit dem Wirtschaftscrash wurden Mäzene und Sammler seltener, während immer mehr Künstler um ihre Gunst buhlten. Zu diesem Konkurrenzkampf gesellten sich wandelnde Geschmäcker hinzu. In diesem Verdrängungswettbewerb hatte Montigny nicht zuletzt wegen immer stärkerer gesundheitlicher Probleme das Nachsehen. Die große, auch künstlerische Zäsur des Zweiten Weltkriegs erlebte sie schon nicht mehr selbst. Aber das ändert nichts daran, dass ihre posthume Bekanntheit wie die vieler anderer in Mitleidenschaft gezogen wurde, bevor sie erst ab den 1970er-Jahren langsam wiederentdeckt wurde - zunächst regional in und um Gent, wo Montigny geboren und aufgewachsen ist und großteils auch ihr Leben verbracht hat.

Er höre immer wieder von Sammlern ihrer Werke, dass es eine Kunst sei, die froh mache, Bilder, die den Tag gut beginnen ließen, wenn man sie anschaue, so De Smet. Dabei sollte "frohmachend" auf gar keinen Fall mit idealisierend, verklärend oder gar einer kitschigen Darstellung der angeblich "guten alten Zeit" oder ähnlichem gleichgesetzt werden. Montigny stellte die Wirklichkeit so dar wie sie war, mit ihren Licht- und Schattenseiten. Und sie beschönigte auch nicht soziale Missstände und das harte Leben auf dem Land. Große anklagende Gesten beziehungsweise Motive waren dabei aber nicht ihr Ding. Sie bevorzugte, wie wohl auch sonst in ihrem Leben, Subtilität in ihren Werken.

Die Ausstellung "Jenny Montigny" im Museum der Schönen Künste in Gent kann bis zum 10. Januar besucht werden. Mehr Informationen und praktische Details zur Ausstellung gibt's auf der Webseite des Museums der Schönen Künste.

Boris Schmidt

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