Ruth Lasters ist in der flämischen Kulturszene keine Unbekannte. Sie hat Romane, Essays und Gedichte geschrieben. Mehrfach wurde die 47-jährige Antwerpenerin für ihre Werke ausgezeichnet. Nun wurde sie in die Gruppe der "Dichter bzw. Dichterinnen von Belgien" aufgenommen.
Was bedeutet ihr das? "Ich werde mein Land so gut wie möglich vertreten und die Dichtkunst ins Licht rücken", sagt sie in einem Interview mit dem flämischen Rundfunk. "Denn in jedem von uns steckt Poesie. Ich will den Menschen einen Raum bieten, wo sie die für sie wichtigen Themen ansprechen können".
Kein politisches Projekt
Das Projekt "Dichter*in von Belgien" oder "Dichter*in des Vaterlandes", wie es in der flämischen Version heißt, versteht sich ausdrücklich als kulturelles, nicht als politisches Projekt. Es fördert den literarischen Austausch zwischen den drei Sprachgemeinschaften.
Ein schöner Gedanke: Menschen reden miteinander und tauschen sich aus - auch oder gerade, weil sie nicht dieselbe Sprache sprechen und dennoch zusammengehören.
Partner in der DG fehlt bislang
Leider fehlt bislang ein Partner in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Obwohl man seit Jahren aktiv auf der Suche sei, sagt Mitorganisatorin Charlotte Poncelet vom Haus der Poesie (Maison de la poésie) in Namur. Sehr gerne würde sie das Projekt um ein drittes Element erweitern und es damit kreativ vervollständigen.
Immerhin: Seit 2024 sitzt der ostbelgische Lyriker Leo Gillessen in der fünfköpfigen Jury.
Hommagen, aber auch kritische Texte
Als ausgewählte Dichterin ist Ruth Lasters für zwei Jahre im Amt. Erwartet werden mindestens sechs Gedichte pro Jahr zu Themen, die Belgien betreffen. Die Texte erscheinen dann auf der Projektwebseite in allen drei Landessprachen.
"Ich will einige Hommagen verfassen, zum Beispiel an den 'Helden von Transport 20', der sich 1943 den Deportationen widersetzte. Ihn möchte ich mit einem Gedicht ehren. Aber ich werde mich auch mit schwierigen Themen auseinandersetzen, wie den Vorurteilen zwischen Wallonen und Flamen."
Freie Meinungsäußerung
Freiheit im Schreiben hat sie sich vorab gesichert. Und sie feiert die freie Meinungsäußerung, die in Belgien hochgehalten werde, in der Weltpolitik aber keineswegs selbstverständlich sei. Ruth Lasters vergleicht die Meinungsfreiheit mit einem Muskel, der trainiert werden müsse - die Hanteln seien die kontroversen Themen.
Als "Dichterin von Belgien" will Lasters den Anspruch erfüllen, gesellschaftliche Themen poetisch aufzugreifen und zugleich die kulturelle Vielfalt des Landes zu verbinden.
Judith Peters