Wer suchet, der findet …

In der Reihe "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache" erklärt Professor Siegfried Theissen diesmal eine Reihe von Sprichwörtern – und wundert sich über Dinge der Unmöglichkeit.

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Wer suchet, der findet. Manche suchen ein Leben lang nach dem Sinn des Lebens und finden ihn doch nicht.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Vorausgesetzt, er kommt überhaupt noch zum Lachen.

Wider die Natur kann niemand. In seinem Woyzeck formulierte Georg Büchner dies so: „Wenn einem aber die Natur kommt, Herr Hauptmann?“ Das wird jedoch den Polizisten, der ihnen wegen Urinierens auf freier Wildbahn ein Knöllchen geben will, kaum beeindrucken.

Wie der Vater, so der Sohn. Als ob die Gene der Mutter keinen Einfluss hätten!

Wie die Alten sungen, so twittern die Jungen. Das ist Fortschritt!

Wie du mir, so ich dir. Vielleicht auch aus der Bibel, denn es erinnert an Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Wie man kommt gegangen, so wird man empfangen. Das Gegenstück ist: Mehr sein als scheinen.

Wissen ist Macht. Nein, die Mächtigen bezahlen die Wissenschaftler (schlecht) und vermehren dann ihre Macht mit deren Wissen.

Wo der Abt die Würfel legt, da dobbeln die Mönche. Dürfen Äbte denn überhaupt ein Kasino betreten?

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Schön wär’s, aber manchmal hilft auch der Wille beim besten Willen nicht.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Damit lassen sich viele Untaten rechtfertigen, auch Kollateralschaden, das politisch korrekte Wort für zivile Kriegstote.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Trotzdem ist es besser, im Licht zu stehen als im Schatten.

Würden sind Bürden. Wer keine Würden hat, hat noch mehr Bürden.

Zeit ist Geld. Aber mit Geld kann man auch Zeit kaufen. Denken Sie an Krebs!

Zufriedenheit geht über allen Reichtum. Ein Sprichwort, das den Armen von den Reichen nur allzu oft vorgesetzt wird.

Dinge der Unmöglichkeit: Einem Dufflecoatträger etwas abknöpfen.

Korinthenkacker. Schleimscheißer kann man sich medizinisch vorstellen, aber Korinthenkacker?

Hinter dem Mond leben. Vorläufig wenigstens. Bei den Chinesen weiß man ja nie!

Eine gekränkte Leberwurst. Fett, übelriechend, verdorben, ja, aber gekränkt?

Jemandem ein Loch in den Bauch fragen. Wie soll das gehen?

Löcher in die Luft starren.

Haare auf den Zähnen haben.

Da lachen die Hühner! Gackern, ja, aber lachen?

Den Magen in den Kniekehlen hängen haben. Die Franzosen machen es noch bunter: Bei ihnen kann der Magen sogar in de Schuhabsätzen stecken (avoir l’estomac dans les talons).

Luftschlösser bauen.

Einen kleinen Mann im Ohr haben.

Sich das Maul über jemanden zerreißen.

Aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Sage mir, woher du kommst …

Siegfried Theissen

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