Sneakers: Das Geld liegt zu Füßen

Was damals bloß als Mittel zum Zweck gedient hat, hat sich mittlerweile zur Wertanlage und zu Sammlerstücken entwickelt. Die Rede ist vom Turnschuh, heute besser bekannt als Sneaker. Um ihn hat sich mit der Zeit eine große Szene und auch ein lukratives Geschäft gebildet.

„Was jetzt gerade der Sneaker-Hype ist, die ganze Szene, die sich darum entwickelt, ist nichts anderes als um die Jahrtausendwende die Heavy Metal-Szene oder später die Skater-Szene. Es gibt immer einen Hype, der gerade aktuell ist“, sagt Raik Wagner. Der Aachener ist Schuhverkäufer und hat selber der Sneakerszene angehört.

In der Szene gehört es dazu, dass man Sneaker nicht nur besitzt, sondern auch sammelt. Dabei geht es vor allem um limitierte Auflagen.

Auf verschiedenen Internetseiten und auch Social Media Plattformen werden die Schuhe mittlerweile wie Aktien gehandelt und getauscht. Genauso wie im Börsenhandel gibt es auch dort einen Index. Dort können die Sammler beobachten, ob der Wert eines Schuhs steigt oder fällt.

Besonders seltene Exemplare wechseln den Besitzer für vier- oder sogar fünfstellige Beträge. Der Nike-Schuh „Air Mag back to the Future“ ist zum Beispiel für über 23.000 Euro verkauft worden und hält sich an der Spitze der Sneaker-Börse.

Es ist ein regelrechter Kampf um die limitierten Schuhe. Das weiß auch Raik Wagner: „Was ich bei uns im Laden bemerke, ist, dass die Leute sehr darauf fixiert sind, genau diese besagten Modelle zu bekommen, welche limitiert sind, welche auf dem Sekundärmarkt teilweise für das 20-Fache über den Tresen gehen. Die Leute sind halt deutlich mehr darauf fixiert, was alle gerne haben, anstatt zu sehen, was gefällt mir und nicht was ist gerade auf Instagram im Feed ganz häufig zu sehen.“

Aber wie kommt man an diese seltenen Schuhe überhaupt dran? Nicho Schmees, auch Sammler, weiß, wie man ein Exemplar ergattert: „Da gibt es die klassische Methode: Man setzt sich einfach vor den Laden, harrt dann da aus, damit man das Vorrecht hat zu kaufen. Aber mittlerweile geht das meiste online. Man kauft bei den Webseiten, bei den Shops, die diese limitierten Releases bekommen. Dann heißt es halt schnell sein. Dann muss man sich schnell durch das Formular klicken. Wenn man Glück hat, ist man einer der Schnellsten und kann das Produkt noch kaufen, bevor es ausverkauft ist.“

Für die sogenannten „Sneakerheads“, sprich die Sammler der seltenen Exemplare, sind Schuhe somit mehr als bloß ein Schuhe. Sie sind einerseits eine Art Kunstobjekt, das für einen gewissen Lifestyle steht. Andererseits werden sie auch ins Regal gestellt, wie ein Kunstsammler es mit seinen Gemälden tun würde.

In den letzten paar Jahren hat sich die Szene jedoch verändert, sagt Nicho Schmees: „Vor zwei, drei Jahren war das noch viel mehr. Ich habe wirklich jeden Schuh, nachdem ich wieder zu Hause angekommen bin, geputzt und wieder in den Schrank gestellt. Heute nervt mich das, dass das alles auf das Oberflächliche geht. Jeder will nur damit angeben, dass er den Schuh hat und keiner freut sich mehr für andere.“

Nike oder Adidas halten mit besonderen Strategien und Marketingkampagnen sowie Kollaborationen mit Modemarken, Künstlern und Musikern die Szene auf Trab. Nike konnte so 2017-2018 einen Umsatzrekord von rund 36 Mrd. US-Dollar verbuchen. Von dem Hype um die Schuhe profitieren am Ende also vor allem die Hersteller.

Armin Ahmetovic

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