Premierenkritik: Dido and Aeneas an der Oper Lüttich

Barockmusik hört man nur all zu selten in der Königlichen Oper der Wallonie. Umso mehr durfte man auf die Henry-Purcell-Oper „Dido und Aeneas“ gespannt sein, die in dieser Woche in Lüttich zu sehen ist

Benoit Arnould und Roberta Invernizzi in "Dido und Aeneas"

Ausgangspunkt der Oper von Henry Purcell ist natürlich die „Aeneis“ von Vergil, und erzählt wird die tragisch endende Liebesgeschichte der karthagischen Königin Dido und des trojanischen Kämpfers Aeneas. Sie möchten zueinander finden, aber finstere Mächte verhindern dies und letztendlich glaubt Dido nicht an die wahre Liebe des Aeneas und nimmt sich das Leben.

So lässt sich kurz und knapp die Handlung zusammen fassen. Purcell hat daraus eine rund einstündige Oper geschaffen, die zum Schönsten der Barockzeit zu zählen ist, nicht zuletzt dank des Lamento der Dido am Ende des Werks. In Lüttich hat man – warum auch immer – der eigentlichen Oper eine fast viertelstündige Suite Purcells vorangestellt, nämlich „Abdelazer oder die Rache des Mauren“.

Damit tut man niemanden einen Gefallen, besonders nicht dem Orchesterensemble „Les Agrémens“, das aus dem leicht erhöhten Orchestergraben den Abend begleitet. Schon in dieser Suite werden leider kleine Unsicherheiten deutlich, sei es hinsichtlich der Intonation oder auch des rhythmischen Zusammenspiels.

Dabei geht Dirigent Guy Van Waas Purcells Musik mit Verve und vorwärts drängendem Elan an. Hoffen wir , dass das Orchester nur bei der Premiere einen weniger guten Abend erwischt hatte, denn im allgemeinen kann man sich auf „Les Agrémens“ verlassen.

Auch bei den Solisten war eine überraschende Premierennervosität zu spüren. Positiv ragte nur Carlo Allemano in der Doppelrolle von Zauberin und Seeman heraus. Mit sonorem Bass-Bariton meistert er jede Klippe. Auch Roberta Invernizzi konnte zumindest im berühmten Schluss-Lamento mit bewegend sensiblem Ausdruck überzeugen.

Hervorragend und für mich das absolute Highlight des Abends waren die Interventionen des Chores. Der Choeur de Chambre de Namur zeigte wieder einmal, dass er zu den besten seiner Art zu zählen ist. Mit klarer Diktion, schönster Ausgewogenheit, Transparenz und großem Engagement kommentieren sie als Erzähler die Handlung und nehmen – aus dem Orchestergraben singend – auch die Rollen der Hexen und Matrosen ein.

Leider bleibt auch die Inszenierung des Regie-Duos Cécile Roussat und Julien Lubek hinter den Erwartungen zurück. In der Lütticher Oper haben sie vor einigen Jahren eine atemberaubend schöne „Cenerentola“ von Rossini auf die Bühne gebracht und auch ihre „Zauberflöte“ war voller Witz und Aktion.

„Dido und Aeneas“ liegt ihnen und ihrem Regiestil wohl weniger. Die Ballettszenen wirken aufgesetzt und die wirklich bewundernswerten Akrobaten, die an Trapez und Segelmast ihre Künste zeigen, sind zwar schön anzuschauen, bringen aber keinen zusätzlichen Mehrwert.

Noch bis Sonntag steht „Dido und Aeneas“ drei Mal auf dem Programm der Lütticher Oper.

Hans Reul - Fotos: Opéra Royale de Wallonie

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